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Mai bis September: 80-mal ruhelos im Waldviertel
Archiv - Kultur
Donnerstag, 11. Mai 2006
ImageDas Viertelfestival Niederösterreich macht heuer im Waldviertel Station. Vor 30.000 Jahren – 5000 Jahre vor der Entstehung der Venus von Willendorf – schlug ein Künstler des Paläolithikums die tanzende „Venus vom Galgenberg" aus dem Schiefer – die älteste figürliche Darstellung eines Menschen wurde 1988 in Stratzing bei Krems gefunden.

Daraus abzuleiten, dass die Waldviertler Kultur die älteste der Menschheitsgeschichte sei, wäre ein wenig vermessen und wissenschaftlich anzweifelbar; dass auf dem Boden zwischen Donau und Tschechien, wo vor 300 Millionen Jahren angeblich der „Wolkenspiegel" aufragte, der höchste Berg des Urkontinents, besondere Bedingungen für kulturelle Aktivitäten herrschen, beweist das diesjährige Viertelfestival vom 12. Mai bis 17. September, das unter dem Motto „ruhe.los" steht.

ImageRegionaler Bezug statt Einheits-Event. Die Programm-Palette ist breit und gleichermaßen gegenwarts- wie auf die regionale Kultur bezogen: So wird eine Gruppe von KünstlerInnen und GauklerInnen – Stelzengeher, Jongleure, Musiker, Bildhauer, Maler, Fotografen und Literaten – durch die Dörfer dies- und jenseits der Grenze ziehen, an die traditionelle Dorfkultur erinnern und diese auf moderne Art beleben. Auf der Kampbrücke bei Stiefern wird die Kamptaler Videosymphonie mit Tanz, Licht und Musik die ZuschauerInnen in ihren Bann ziehen – wer mit dem speziell eingerichteten Sonderzug mitfährt, kann das Geschehen direkt aus seinem Zentrum, nämlich auf der Brücke selbst, mitverfolgen.
Singende Steine und bewohnte Bäume, ein Haus, das nach der Funktionsweise des Foucault’schen Pendels konstruiert ist, eine Tanzperformance übers „Öpfa brocka", die Erarbeitung einer Ausstellung gemeinsam mit der Bevölkerung über die letzten Tage des Zweiten Weltkrieges, als in der Gemeinde Droß ein Lager für jüdische Zwangsarbeiter eingerichtet wurde … in nahezu allen Produktionen spielt der lokale Hintergrund eine große Rolle; damit hebt sich auch das Viertelfestival deutlich von den verwechselbaren Einheitsevents ab, die in den letzten Jahren das kulturelle Geschehen prägen (siehe Grazer „Jazzsommer"). Im Zentrum steht auch die Einbindung der Menschen vor Ort – etwa durch ein „Oral history"-Projekt – in öffentlichen Räumen treffen sich Menschen um ganz persönliche Geschichten zu erzählen, zu hören oder zu sehen; die Storys werden dann von SchauspielerInnen aufgegriffen und weitererzählt – oder durch die Neumond-Nacht-Aktionen „GuteNacht Gutenbrunn".
Eine echte Verführung zu ein paar Urlaubstagen in einer der ungewöhnlichsten Regionen Österreichs, verbunden mit dem Genuss unaufdringlicher, authentischer Kultur… cs

Programmbuch-Bestellungen ab sofort kostenlos bei:
Viertelfestival Niederösterreich

Wiedenstr. 2, A-2130 Mistelbach,
Tel +43-(0)2572/34 234-0
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