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Kastner & Öhler: Tradition in neuen Gewändern
Sonntag, 14. November 2010
1883 klingt nicht ganz so magisch wie „20 10 2010“, doch in jenem Jahr wurde der Grundstein für das wohl bekannteste Grazer Modehaus von Carl Kastner und Hermann Öhler gelegt. Mehr als ein erfolgreiches Jahrhundert später luden die aktuellen Chefs Thomas Böck und Martin Wäg gemeinsam mit den Architekten zu einer Vorabbesichtigung des umgebauten Hauses, das sich durch die Neueröffnung im Oktober von einer mondäneren, aber auch luftigeren Seite zeigt. Eleganz mit viel Spielraum. Das Ambiente wirkt luxuriöser, die Räume weiter und lockerer und individuelle Details bringen Extravaganz in die nun 40.000 m2 auf sechs Etagen.
Diese durch Blocher und Blocher realisierte innere Erneuerung lehnte sich hauptsächlich an die Originalversion der Hallen und Lichthöfe aus dem Jahr 1913 an, wodurch heute vor allem goldener Stuck und helle, elegante Formen auffallen.
Der spektakuläre Dachausbau wurde von den spanischen Architekten Nieto/Sobejano geplant, die auch an der Erneuerung des Joanneums arbeiten. Großzügige Glaselemente lassen viel Licht bis ins unterste Stockwerk dringen und vor allem die Dachterrasse mit Panorama über die Dächer von Graz bietet einen bislang unbekannten Blick auf und über die Altstadt. Durch diesen frischen Reiz könnte das Modehaus inklusive Champagnerbar und Klaviermusik eine (wieder)belebte touristische Attraktion im Herzen der Stadt werden, hoffen die Eigentümer.

Umstrittene Maßnahmen.
Die Genehmigung des Umbaus war allerdings nicht unumstritten, und nach wie vor äußern ExpertInnen Kritik zumindest an einzelnen Teibereichen: Der Kunsthistoriker Univ.-Prof. Josef Ploder, Mitglied der Grazer Altstadt-Sachverständigenkommission (ASVK) sieht zum Beispiel Vor- und Nachteile der Sanierung: Die großzügige Dachlandschaft mit Terrasse werde sicherlich als weiteres Highlight in der Altstadt wahrgenommen, auch die Verbindung der einzelnen Häuser und Etagen überzeuge in ihrer neuen Aufmachung. Eine markante Änderung zum Positiven stelle auch die Revitalisierung der historischen Strukturen der großen Halle dar, durch die sich das Modehaus vom heute üblichen Erscheinungsbild abhebt. Doch das völlige „Verschlucken“ der Admontergasse durch den Umbau wurde von mehreren Seiten kritisiert und laut Ploder gehe damit eine wichtige urbane Erfahrung für die Besucher und Bewohner verloren. Der Grazer KP-Gemeinderat Andreas Fabisch verwies öffentlich auf den Verlust dieser Passage, er hält es für höchst fragwürdig, dass eine öffentliche Fläche in dieser Weise vereinnahmt werden darf.  Das nach wie vor auf Stadtplänen aufscheinende Gässchen wurde ebenso entfernt wie die Gewölbe im Erdgeschoss. Ursprünglich in einem spätbarocken Palais aus dem 17. Jahrhundert gebaut, ging die Entfernung dieser Bögen mit der Schließung der Mediaabteilung einher, die Platz für andere Bereiche schuf. Noch mehr Platz für das Modehaus scheint nun allerdings weder in der Horizontale noch in der Vertikale möglich zu sein, wodurch das aktuelle Bild wohl für längere Zeit die Grazer Altstadt prägen wird.

Magdalena Schwarz
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