Das nachhaltige Magazin für Graz und die Steiermark
„Es geht mich nichts an“ darf keine Ausrede sein
Dienstag, 5. Oktober 2010
Unter dem Motto „fairstyria“ stand die Steiermark eine Woche lang im Zeichen der globalen Verantwortung und Zusammenarbeit. Damit sich diese Thematik auch längerfristig in der Bevölkerung manifestiert, wurden besonders Kinder und Jugendliche eingeladen, sich intensiv damit auseinander zu setzen. Von der Klimawandelproblematik über die Unterstützung von sozialen Projekten, bis hin zu fairem Schokoladegenuss konnte man von 27. September bis 1. Oktober in der Steiermark einiges über Verantwortung in globalem Zusammenhang erfahren. Der seit 2005 als eintägige Veranstaltung konzipierte „Fairtrade-Tag“ wurde dieses Jahr auf eine mehrtägige Reihe von informativen Einblicken, Workshops und Diskussionen erweitert. Die Fachabteilung Europa und Außenbeziehungen des Landes konnte vor allem durch die Arbeit von Maria Elßer-Eibel und Johannes Steinbach mit einem vielfältigen Programm aufwarten, welches mit einer Expertendiskussion im Medienzentrum eröffnet wurde.

„Und das Volk sagte: Ändert das!“
Über die dringende Auseinandersetzung mit globaler Erwärmung diskutierte Erich Korzinek mit der Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb, dem Wirtschaftswissenschafter Karl Steininger, EU-Klimaverhandler Artur Runge-Metzger und Michael Hanemann, Professor an der Berkeley-Universität Kalifornien und Umweltberater von Arnold Schwarzenegger.
Unter dem Aspekt „Think global – act local“ wurden Lösungsansätze für die Klimaproblematik besprochen und dabei kristallisierten sich vor allem zwei Meinungen heraus: Zum einen könnten neue Technologien, wie etwa E-Mobilität, einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung der Erderwärmung leisten, andererseits sollte das eigentliche Bestreben nicht in neuen Technologien, sondern im Umdenken der Menschen liegen. Als Beispiel brachte Hanemann eingangs die Smog-Krise in Los Angeles in den 40er Jahren, in der die Bevölkerung lautstark Lösungen forderte und damit eine in den USA bis dato untypische Bewegung des Umweltschutzes ins Rollen brachte.
Laut Hanemann liegt die Herausforderung in der Strukturierung und Organisation von Regierenden, Lehrenden und Forschenden, die als Vorreiter für die Bevölkerung agieren sollten.  Auf unsere Frage nach dem Bewusstsein der globalen Verantwortung in Kalifornien entgegnete Hanemann: „Trotz ihrer heterogenen Zusammensetzung bemerkt man in unserer Gesellschaft durchgehend eine zunehmende Besorgnis. Ich höre von Eltern, die von ihren Kindern nach der Schule kritisiert und über die Erhaltung von Wasserressourcen aufgeklärt werden. Man hat heute eine andere Einstellung zu ökologischen und sozialen Themen und vor allem die Jugend lernt viel und kann es umsetzen.“

Ke Nako Afrika. Das bedeutet „Jetzt Afrika“ und betitelt den Fokus der Aktionen im Innenhof der Burg, die eine von mehreren Stationen des Fairtrade-Tages in Graz darstellte.
Landeshauptmann Franz Voves eröffnete diesen Aktionstag, an dem er Bürgermeister Siegfried Nagl die Auszeichnung für Graz als erste Fairtrade-Landeshauptstadt  überreichte. Voves unterstrich als Schlüsselfaktoren in der Armutsbekämpfung eine ökosoziale Marktwirtschaft, vor allem aber die Bildung. Er nahm sich Zeit, um mit Jugendlichen über globale soziale Verantwortung zu diskutieren und an LehrerInnen appellierte er, diese Probleme anzusprechen, jedoch den Kindern auch die Angst vor dem Fremden zu nehmen. Dazu passend war symbolisch eine Wand aus Hindernissen und Vorurteilen aufgestellt worden, die Jugendliche im Rahmen der Eröffnung zu Fall brachten.
Hartwig Kirner, Geschäftsführer von Fairtrade Österreich, zeigte sich optimistisch angesichts eines Bekanntheitsgrades des Fairtrade-Siegels von 84%  und der Tendenz, Zuwächse im zweistelligen Prozentbereich zu verzeichnen. Doch durch Gespräche mit  überwiegend jungen Besuchern zeigte sich, dass trotz bekannter Fairtrade-Produkte wie Bananen, Kaffee oder Rosen eindeutig mehr Aufmerksamkeit auf dieses Thema gelenkt werden sollte und Veranstaltungen wie die Faire Woche notwendig und wirkungsvoll sind.

| Magdalena Schwarz
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