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Schrammeln, Jazz & schwarzer Humor
Sonntag, 16. Mai 2010
Als dritter Abend des Kasematten-Openings 2010 stand am 8. Mai das „Wiener Lebensgefühl“ auf der Schlossberg-Bühne. Überzeugend verkörpert wurde dieses durch den Schauspieler Wolfgang Böck, die Neuen Wiener Concert Schrammeln sowie nach der Pause von den Strottern begleitet von der Jazz Werkstatt Wien. Die schwarzhumorigen Gedichte des heute leider wenig bekannten Beamten Josef Mayer-Limberg wurden von Herwig Böck mit seiner markanten Stimme wunderbar ausdrucksvoll „urwienerisch“ vorgetragen. Die auch an einen Jandl erinnernden lautmalerischen Gemütsbewegungen der Hausmeister, Beiselhocker und Mörder wurden stimmungsvoll untermalt von der behutsam modernisierten Heurigenmusik der Neuen Wiener Concert Schrammeln, sodass aus der Synthese ein einzigartiges Klangbild Wiener Lebensgefühls beschworen wurde.
Zwischen Jazz, Blues und Wienerlied bewegt sich das musikalische Spektrum der Strottern, die neben Texten von Peter Ahorner, Karl Stirner u.a. auch solche Mayer-Limbergs vertont haben. Letzter erzählt locker zwischendurch ein paar Anekdoten von dem skurrilen Beamten, der im Wirtshaus um die Ecke die bittersüße Qualität der Wiener Volksseele bis ins Intimste kennenlernte. Mit Kostproben  ihrer neuen CD „Elegant“ bewegen sich die Strottern mit schlafwandlerischer Sicherheit auf den Spuren ihrer großen Vorbilder Qualtinger, Heller und Sowinetz. Gemeinsam mit den sieben Mitgliedern der JazzWerkstatt Wien erreichen sie (der zweite Sänger der Strottern, auch an Gitarre und Singender Säge, ist David Müller) nahezu Bigband-Format. Vom fetzigen Jazz, der die Zuhörer mitreißt, bis hin zum vom Weltschmerz gezeichneten langsamen Wienerlied reicht das Repertoire der Truppe, die so aus einem Guss wirkt, als ob sie immer schon gemeinsam aufgetreten wäre.
Insgesamt verging trotz arktischer Kälte in den Kasematten, deren Besucher wie Insassen des „Zauberbergs“ auf ihren Sitzen in dicke Decken gehüllt waren, ein vergnüglicher Abend, bei dem man authentisches Wiener Lebensgefühl inhalieren konnte.

|Josef Schiffer
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