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SSZ: Die neue „Schatzkammer des Landes“
Dienstag, 13. April 2010
Dass es in einem Universalmuseum nicht immer „nur“ ums Herzeigen gehen kann, sondern sich auch hinter den Kulissen so einiges tut, dafür steht nunmehr das Studien- und Sammlungszentrum in Graz-Andritz, kurz SSZ – die neue „Schatzkammer des Landes“. Für Geschäftsführer Hofrat Dr. Wolfgang Muchitsch geht damit bereits der erste Teil des neuen Joanneumsviertels in Funktion, wurden doch in den letzten fünf Monaten in 500 LKW-Fuhren fast 1,7 Millionen Objekte aus den für die Sanierung zu räumenden Gebäuden in der Innenstadt in das Sammlungszentrum transferiert, wo sie ideale Bedingungen zur fachgerechten Lagerung erwarteten. Zwei Drittel der Fläche nimmt die Naturwissenschaft mit den Teilbereichen Botanik, Zoologie, Mineralogie, Geologie und Paläontologie ein, aber auch die umfangreiche Kunstsammlung ist hier untergebracht. Die Depoträume bilden dabei den inneren Kern des Gebäudes, übrigens das ehemalige Zentralauslieferungslager der Firma Stiefelkönig, das 2008 als Ersatz für den geplanten Tiefspeicher im Joanneumsviertel von der LIG erworben und für diese Zwecke adaptiert werden konnte. Neben konstanter Luftfeuchtigkeit (50%) und Temperatur (20°) galt es dafür zu sorgen, dass alle wasserführenden Rohre aus den Depots entfernt werden. Neben einem modernen Sicherheitssystem musste auch eine Brandmeldeanlage ohne Sprinkler eingebaut werden.

Beste Bedingungen für die Wissenschaft, schlechte Verhältnisse für Schädlinge. Viel Vorarbeit leisteten auch die Restaurierwerkstätten, die in letzten vier Jahren die Objekte auf ihren Umzug vorbereitet, gereinigt und gefestigt haben. Mit einer vorsorglichen Begasung hat man in den neuen Depots Schädlingen Hausverbot erteilt – jedes neue Objekt macht zuallererst in einem eigenen Quarantäneraum Station.
Den Mitarbeitern des Joanneums stehen an diesem Standort dafür bald neben Büros auch Labors und Werkstätten zur Verfügung, sodass verschiedenste Arbeitsbereiche miteinander verbunden werden können. Schließlich spielt sich im Archiv die Grundlage der Museumsarbeit ab. Nun ist es möglich, die Objekte direkt am Arbeitsplatz verfügbar zu haben. „Depots und Arbeitsstellen für Wissenschafter kommen meist zu kurz“ weiß Intendant Peter Pakesch. Für ihn stellt das SSZ in diesem Zusammenhang eine „tolle, großzügige Lösung“ dar. Die veröffentlichten Zahlen, die ein Bild von der Anlage geben sollen, klingen auch wirklich gewaltig: 10 km Regalböden, 11.000 Schubladen in Mobilregalanlagen und eine Fläche in der Größe von ca. 10 Tenniscourts, versehen mit Gitterwänden, an welchen Kunstwerke aufgehängt werden können.  

Türen für neue kuratorische Konzepte geöffnet. Auch für die Kuratoren erleichtert sich die Arbeit mit der Sammlung: Durch die Vereinigung der Objekte an einem Ort tun sich viele neue Zusammenhänge auf, die in Ausstellungskonzepte einfließen werden. Ein mühevolles Zusammensuchen der Objekte fällt weg. Hier sind, wie Dr. Ulrich Becker, Leiter der Alten Galerie, augenzwinkernd anmerkt, „die Affen und die Heiligen des Landes“ endlich unter einem Dach vereint.

| Eva Pichler
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