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Das neue Grazer Stadtmuseum: Die kollektive Sammlung als Mittel der Identitätsbildung
Archiv - Kultur
Dienstag, 11. April 2006
Image Am 27. April öffnet das Grazer Stadtmuseum mit der Ausstellung Die Totale wieder seine Pforten. An die 700 Gemälde der Sammlung werden erstmals seit 1952 der Öffentlichkeit präsentiert. Die Schau, erklärt Direktor Otto Hochreiter, soll dem Depot-Charakter der Sammlung entsprechen und wird nach dem Vorbild eines Studiolos präsentiert, wie Räume in Stadtpalais, in denen man kostbare Sammlungsobjekte bewahrte, seit dem 16. Jh. bezeichnet wurden.

Mit der Transformation des Stadtmuseums in ein historisches Museum in zeitgenössischer Form will Hochreiter zur Identitätsbildung der Stadt beitragen. In diesem Zusammenhang wird am 5. Mai (14.00 bis 20.00 Uhr) ein Kolloquium ausgerichtet, das Die öffentliche Sammlung als Medium der Identitätsbildung behandelt.
Während der Ausstellungsvorbereitungen zur Ausstellung Die Totale sprach Wenzel Mraček für KORSO mit Otto Hochreiter.

Was, Herr Hochreiter, geschieht derzeit hinter den geschlossenen Türen des Stadtmuseums?
Wir haben seit Beginn meiner Amtszeit ab Juli 2005 ein sehr großes Projekt in Angriff genommen, nämlich die Neu-Inventarisierung aller 17 Sammlungsteile. Bis auf wenige Details ist dieses Vorhaben jetzt abgeschlossen und damit Basis der künftigen Museumsarbeit. Ich glaube, dass das öffentliche Sammeln, im Gegensatz zu obsessivem privaten Sammeln, ein wichtiges Medium kollektiver Identitätsbildung ist, daher muss die Sammlung auch nach öffentlich rechtlichen Kriterien verwaltet werden. Ein Museum basiert in erster Linie auf seiner Sammlung und unterscheidet sich so von einer Kunsthalle oder ähnlichen Institutionen.

Befürchten Sie nicht, dass Besucher überfordert sein könnten, wenn man ihnen den gesamten Museumsbestand an Malerei in einer Ausstellung vorführt?
Wir wollen mit diesem Ausstellungskonzept den aktuellen Zustand des Museums widerspiegeln. Weder die wissenschaftliche Bestimmung der Objekte noch konservatorische und restaurative Maßnahmen sind derzeit abgeschlossen. Wir präsentieren die Exponate in ihrem derzeitigen Zustand und sind deshalb auch darauf bedacht, dass über die Ausstellungsarchitektur (ein System von Stegen leitet Besucher durch die Ausstellungsräume; Anm.) eine gewisse Distanz zu den Objekten gewahrt bleibt. In Zukunft werden auch Close Ups im Rahmen ausgewählter Schauen aus den Sammlungen möglich sein.

Wie werden Sie künftig mit den Sammlungen umgehen?
Ich möchte mit der Ausstellung und auf Basis der Ergebnisse des Kolloquiums am 5. Mai eine Sammlungskonzeption erstellen. Ein kompetentes Gremium wird Entscheidungen, etwa zu Ergänzungen, treffen.

Worin sehen Sie konkrete Aufgaben des Stadtmuseums?
Das Stadtmuseum ist in erster Linie als historisches Museum der Stadt definiert. Der Großteil der Sammlungen aber besteht aus Kunst. Das ist ein Widerspruch, den wir in unserer Sammlungskonzeption aufzulösen haben. Hier gibt es zwei Wege, einerseits die Sammlung abzuschließen und künftig nur mehr historische Dokumente zu sammeln oder aber die sinnvolle Ergänzung der bestehenden Kunstsammlung. Darüber muss mit Experten, dem Aufsichtsrat und dem Kulturausschuss des Gemeinderates beraten werden. Im Übrigen ist es mein Anliegen, das Stadtmuseum aus der derzeit geführten tagespolitischen Diskussion zu lösen und zu einer kulturellen Instanz in der Stadt zu machen.

Mit welchem Budget arbeiten Sie?
Wir haben seit Beginn meiner Amtszeit ab Juli 2005 ein sehr großes Projekt in Angriff genommen, nämlich die Neu-Inventarisierung aller 17 Sammlungsteile. Bis auf wenige Details ist dieses Vorhaben jetzt abgeschlossen und damit Basis der künftigen Museumsarbeit. Ich glaube, dass das öffentliche Sammeln, im Gegensatz zu obsessivem privaten Sammeln, ein wichtiges Medium kollektiver Identitätsbildung ist, daher muss die Sammlung auch nach öffentlich rechtlichen Kriterien verwaltet werden. Ein Museum basiert in erster Linie auf seiner Sammlung und unterscheidet sich so von einer Kunsthalle oder ähnlichen Institutionen.Wir wollen mit diesem Ausstellungskonzept den aktuellen Zustand des Museums widerspiegeln. Weder die wissenschaftliche Bestimmung der Objekte noch konservatorische und restaurative Maßnahmen sind derzeit abgeschlossen. Wir präsentieren die Exponate in ihrem derzeitigen Zustand und sind deshalb auch darauf bedacht, dass über die Ausstellungsarchitektur (ein System von Stegen leitet Besucher durch die Ausstellungsräume; Anm.) eine gewisse Distanz zu den Objekten gewahrt bleibt. In Zukunft werden auch Close Ups im Rahmen ausgewählter Schauen aus den Sammlungen möglich sein.Ich möchte mit der Ausstellung und auf Basis der Ergebnisse des Kolloquiums am 5. Mai eine Sammlungskonzeption erstellen. Ein kompetentes Gremium wird Entscheidungen, etwa zu Ergänzungen, treffen.Das Stadtmuseum ist in erster Linie als historisches Museum der Stadt definiert. Der Großteil der Sammlungen aber besteht aus Kunst. Das ist ein Widerspruch, den wir in unserer Sammlungskonzeption aufzulösen haben. Hier gibt es zwei Wege, einerseits die Sammlung abzuschließen und künftig nur mehr historische Dokumente zu sammeln oder aber die sinnvolle Ergänzung der bestehenden Kunstsammlung. Darüber muss mit Experten, dem Aufsichtsrat und dem Kulturausschuss des Gemeinderates beraten werden. Im Übrigen ist es mein Anliegen, das Stadtmuseum aus der derzeit geführten tagespolitischen Diskussion zu lösen und zu einer kulturellen Instanz in der Stadt zu machen.
Wir haben in diesem Jahr ein bescheidenes Budget von 50.000 Euro für Kunstankäufe. Bisher war es üblich, dass angesichts von Kunstwerken, die man für die Stadt gewinnen wollte, Sonderbudgets vom Gemeinderat beschlossen wurden. Ich hoffe, dass das weiterhin so bleibt.

Wie soll der Umbau des Stadtmuseums aussehen und was wird er kosten?
Die Kosten stehen noch nicht fest. Das Konzept sieht eine formale Öffnung des Museums zum Außenbereich vor. Derzeit gibt es ja im Eingangsbereich nichts, dass auf ein Museum hinweist. Vor allem auch Touristen sollen bemerken, dass hier ein zeitgenössisch adaptiertes Museum auf Stadtgeschichte schaut. Das Stadtmodell aus dem zweiten Stock wird also ins Erdgeschoss gebracht und im Rahmen eines Objektes der Architektengruppe Splitterwerk installiert. Die Lösung von Splitterwerk ging als einstimmig getroffene Juryentscheidung aus einem Architekturwettbewerb hervor; diese Investition wird nicht mehr als 120.000 Euro kosten. Ein riesiger gläserner Stiefel wird als Vitrine für das Modell der Stadt fungieren und soll ein weiteres Identifikationsmoment für Graz darstellen wie etwa Peter Koglers Bahnhofsgestaltung oder Hartmut Skerbischs Lichtschwert.

„Die Totale. Die Gemäldesammlung des Stadtmuseums Graz" wird am 27. April um 19.00 Uhr eröffnet und ist bis zum 27. Juli zu sehen. Das Kolloquium „Die öffentliche Sammlung als Medium der Identitätsbildung" findet am 5. Mai von 14.00 bis 20.00 Uhr statt - im Stadtmuseum Graz, Sackstraße 18.
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