Das nachhaltige Magazin für Graz und die Steiermark
Food for Africa
Mittwoch, 13. Mai 2009

Briefe aus Absurdistan - von Robin Hut

Hallo, alter Freund!
Ich kann dir berichten, dass etwas weiter geht in unserem Projekt: Es finden sich schon einige Apotheker, die bereit wären, einen Aufruf an ihre Kunden zu machen, einmal ihre zu Hause oft jahrelang gehorteten Medikamente durchzusehen und drei Monate vor Ablaufdatum zur Apotheke zu bringen.

Klar erhoffen sie sich dadurch auch mehr Kundenfrequenz in ihrem Geschäftslokal. Ist aber egal, wenn wir die Medikamente kriegen und es müsst’ ja mit dem Teufel zu gehen, wenn dann nicht die Apotheker selbst ebenfalls ihre Herzen und damit ihre Lager öffnen würden und sich für die Menschen bei dir in Afrika drei Monate früher von all dem trennen würden, wovon sie zwölf Wochen später ohnehin 90 Prozent wegschmeißen müssten. Ein großer Reiseveranstalter ist eigentlich auch schon ziemlich davon überzeugt, dass es zum Einen seinem sozialen Image und damit dem seiner Kunden dienen würde, wenn die leeren Kapazitäten bei Flügen in die Luxusressorts mit Medikamenten für die vielen, die vor deren Toren leiden, gefüllt wären. Und ich glaube, sie wollen ihren Kunden auch erklären, dass dies ein erhöhter Schutz vor Terroranschlägen ist. Na gut, wenn jemand glaubt, dass ihn Medikamente unter seinem Sitz davor schützen, dass sein Flieger auf dem Flug nach Mombasa in Richtung Ground Zero entführt wird, ist das wohl sein Problem. Und sobald wir es mit den Medikamenten hier einmal vorgezeigt haben, ist alles möglich: Stell dir nur vor, ganz Europa mit seinen Reiseunternehmen hilft zusammen und baut nicht mehr täglich Müllgebirge aus noch genießbaren Lebensmitteln, sondern schickt sie binnen 12 oder 15 Stunden irgendwohin auf der Welt, wo die Menschen hungern.
Und weißt du, was ich glaube? Dass diese Krise, die bei dir dort jetzt gerade dazu führt, dass euch auch die Krümel von unserem Reichtum hier spärlicher zukommen, weil bei uns hier viele sagen: „Sorry, aber wenn nicht mehr gesichert ist, dass wir nächstes Jahr noch fünf oder zehn Prozent reicher sind als heuer, müssen wir auf uns selber schauen“ sich bald anders auswirkt. Noch wehren sich die „Gstopften“ hier bei uns dagegen, dass sie dann, wenn´s einmal nicht ganz so gut läuft, klarerweise ein bisserl mehr mithelfen müssen, damit es eben wieder aufwärts geht. Wie seit Jahrhunderten schieben sie das Bürgertum, heute Mittelstand genannt, vor und versuchen denen einzureden, dass es eigentlich um sie ginge bei einer Vermögenssteuer ab 500.000 Euro. Schaut aber nicht so aus, dass die noch so blöd wären, das zu glauben, wenn‘s eigene Häusel gerade die Hälfte davon wert ist, inklusive Bausparvertrag. Aber wenn einmal klar ist, dass die ganz Reichen eben dieses bisserl mehr mithelfen müssen, damit es allen gut gehen kann und auch ihr Töchterl dann gefahrlos durch die Pariser Banlieue ebenso fahren kann wie über den Grazer Griesplatz oder eben nach Kenia, dann ist alles möglich,

meint dein Robin Hut
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