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Märzrevolution 1848 in Graz
Mittwoch, 12. März 2008
Wien, 13. März 1848: Metternich mokiert sich über die Bürger-Krawalle. „Durchlaucht, das ist kein Krawall, das ist eine Revolution!“, entgegnet ihm ein Deputierter des Bürgerkorps. Noch am selben Abend flieht Metternich. Als die Meldungen vom Aufstand in Wien in Graz eintreffen, erheben sich auch hier Bürger, Studenten und Arbeiter. Nicht nur politische Forderungen nach mehr Freiheit werden gestellt: Durch die gesellschaftliche Aufbruchsstimmung bestärkt, fordern die verarmten unteren Klassen Preis- und Steuersenkungen.

Aufruf zum Tyrannenmord. Bereits Anfang März waren erste Informationen über die Leichtigkeit, mit der in Frankreich das Regime Louis Philippes gestürzt und die Republik ausgerufen worden war, nach Graz gelangt. Rasch wurden erste handgeschriebene Flugblätter angefertigt:
Drum auf, drum auf, ihr Völker all,
Ergreift die Waffen schnell,
Bekämpfet fest den Übermuth
Der sich am Throne Gutes thut,
Kommt, opfert Leib und Seel.
Auf, auf, ihr Völker, hier und dort,
Die Losung heißt: Tyrannenmord!

Studenten und Bürger erheben sich. Abgesehen von diesen Flugblättern blieb die Lage in den ersten Märztagen in Graz aber ruhig. Man debattierte die blutigen Aufstände in Italien, Paris und München bis am 14. März Meldungen aus Wien eintrafen, wonach tags zuvor eine große Menschenmenge in das Wiener Landhaus in der Herrengasse eingedrungen war, woraufhin der Schießbefehl gegeben wurde und sich die Hauptstadt innerhalb kürzester Zeit in einen Hexenkessel verwandelt hatte. Nun erhoben sich auch die Grazer: Die Studenten beriefen an der Universität in der Bürgergasse eine Versammlung ein und beschlossen im Beisein freiheitlich gesinnter Professoren eine Petition an den Kaiser, in der sie politische Freiheiten – u. a. Presse-, Lehr- und Lernfreiheit – forderten. Gleichzeitig tagte eine Versammlung der Bürger unter der Führung des Grazer Advokaten Vinzenz Emperger im Gasthaus „Zum goldenen Rössel“ in der Mariahilferstraße, in der eine ähnliche Resolution an den Herrscher beschlossen wurde. Die Bürger verlangten die Vertretungen ihres und des Bauernstandes im Landtag, die Wahl des Bürgermeisters durch die Bürgerschaft, Geschworenengerichte, Aufhebung der körperlichen Strafen, ferner persönliche Denk-, Rede- und Gewissensfreiheit, die Ausweisung der Jesuiten und die Einziehung der Kirchengüter, aber auch verschiedene wirtschaftliche Neuerungen wie Abschaffung der Verzehrungssteuer, Überprüfung des Stempelgesetzes und die Pressefreiheit. Die Abschaffung der Zensur, die Errichtung der Konstitution und die Bewaffnung des Volkes waren all diesen in den Märztagen vorgetragenen Petitionen gemeinsam.

Die Jesuiten ziehen ab. Als am Abend des 14. März Erzherzog Johann die Nachricht vom Sturz Metternichs überbrachte, kam es im Grazer Theater – als Marquis Posa in Schillers Don Carlos an Phillip II. die Worte richtet: „Sire, geben Sie Gedankenfreiheit!“ – zu stürmischen Beifallskundgebungen.
Am nächsten Tag trat der Landtag zusammen, um zu beraten, ob die Petitionen an den Kaiser weitergeleitet werden sollten. Im Hof des Landhauses und in der Herrengasse kam es zu einer großen Menschenansammlung, die sich bald in den Münzgraben zum Kloster der Jesuiten bewegte. Letztere machte man nicht zu Unrecht für die geistige Knebelung des Volkes verantwortlich, weshalb sich die Wut an diesem Tag an ihnen entlud und alle Klosterfenster eingeworfen wurden. Am 28. März zogen die Jesuiten schließlich aus Graz ab.

Die Studenten werden bewaffnet. Als sich später eine Deputation der Bürger neuerlich zum Gouverneur Mathias Constantin Graf von Wickenburg in die Landstube begab, las ihnen dieser ein Telegramm aus Wien vor, worin die Aufhebung der Zensur mitgeteilt, die Einführung eines neuen Pressegesetzes versprochen und die Errichtung der Nationalgarde bewilligt wurde. Der Gouverneur versprach außerdem, provisorisch die Polizeigewalt einzuschränken und verfügte gleichzeitig die Bewaffnung der Studenten aus den Beständen des Zeughauses. Zu ihrem Befehlshaber wurde der Oberst der Bürgergarde, Josef Andreas Kienreich, bestellt. In der Verfügung des Gouverneurs heißt es ausdrücklich, dass nur das besitzende Bürgertum und die Intellektuellen mit Waffen versorgt werden dürfen. Ängstlich wurde die Arbeiterschaft von einer Bewaffnung ausgeschlossen.

Von der politischen zur sozialen Revolution – und zum Thermidor.
In der Folge kam es immer wieder zu größeren Menschenansammlungen, die zu den Häusern von ihnen „missliebigen“ Bürgern und ständischen Personen zogen und dort eine „Katzenmusik“ darboten, um so ihrem Unmut Ausdruck zu verleihen.
Doch bald schon kam Ernüchterung, und die Einheit von Bildung und Besitz zerbrach. Das Bürgertum wollte an dem Erreichten festhalten und es nicht durch Volksdemonstrationen gefährdet sehen. Als schließlich das am 1. April verlautbarte provisorische Pressegesetz bekannt wurde, das für Kritik an Regierung und Verwaltung hohe Strafen vorsah, entlud sich am 3. April die Wut gegen die alte Ordnung erneut. Am heutigen Freiheitsplatz wurde die damalige Aufschrift „Franzens-platz“ heruntergerissen und der Platz in Universitätsplatz umbe-
nannt. Auch wollte man die Statue von Kaiser Franz von ihrem Sockel stürzen, was aber misslang. Der Krawall lockte in den Abendstunden auch viele Arbeiter und Taglöhner an, die nun ihrerseits offen ihre Unzufriedenheit artikulierten. Damit setzte die zweite, die soziale Revolution ein, die sich an den hohen Brot- und Fleischpreisen entzündete.
Fünftausend Menschen zogen sodann von der inneren Stadt bis in die äußeren Stadtviertel und zertrümmerten die Fenster und Geschäftstüren der Bäcker. Die Nationalgarde versuchte Ordnung zu schaffen, wurde aber von den Demonstranten mit Steinen beworfen. Durch den Erfolg ermutigt – noch in der Nacht versprach die Bäckerinnung, das Brot größer zu backen – beschloss man für die nächste Nacht einen „Sturm auf die Fleischer“. Als die Menge im Kälbernen Viertel jedoch auf mit Hacken und Messern bewaffnete Fleischer stieß, zog sie westwärts und stürmte die Symbole der Verzehrungssteuer, das Mauthaus vor der Eggenberger Allee und das am Steinfeld, das sie in Brand steckte. Die Folgen dieser Kundgebungen waren, dass die Fleischer und die Bierbrauer die Preise senkten und die Bäcker größeres Brot verkauften.
Nach den Errungenschaften des März – Gewährung der Pressefreiheit und Einberufung eines Reichstages sowie Abschaffung von v. a. die sozial Schwachen treffenden Steuern – legte sich der Sturm, ehe er im Oktober noch einmal losbrechen sollte. Doch da hatten die alten Mächte bereits wieder die Oberhand. Prag und Mailand waren schon im Juni und August von den Feldherren Windischgrätz und Radetzky „zur Räson“ gebracht worden. Im September sollte Ungarn und im Oktober Wien folgen.
Heimo Halbrainer

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