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Kopetz: „Österreich muss bei der Bioenergie wieder Vorbild werden“
Sonntag, 10. Februar 2008
Interview mit Heinz Kopetz.

Wird die neue EU-Richtlinie der Bioenergie insgesamt eine bessere Position im herrschenden Energiesystem verschaffen?
Davon bin ich zutiefst überzeugt. Im Großen und Ganzen bin ich jedenfalls sehr zufrieden mit den erzielten Übereinkünften, denn die EU-Richtlinie wird für die Bioenergien des gesamten Spektrums erstmals einen deutlich fühlbaren Impuls bringen, der in allen Mitgliedsländern, d.h. in ganz Europa, wirksam sein wird, und sich nicht nur wie bisher in erster Linie auf Mitteleuropa und Skandinavien beschränken.

Österreich ist längst in Bezug auf Bioenergie nicht mehr der Musterknabe der Europäischen Union. Wo sehen Sie Handlungsbedarf?
In Bezug auf Österreich wäre es vor allem wichtig, dass man beim Bereich der Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Quellen sich zu klaren politischen Richtlinien mit entsprechender Rechtssicherheit für die Betreiber dieser Anlagen durchringt, die zumindest von den Einspeisetarifen und Vertragszeiträumen den Standard der derzeit in Deutschland gültigen Ökostrom-Regelung erreichen sollten.

An welchen Vorbildern sollte sich Österreich in Zukunft bei seiner Energiepolitik orientieren?
Schweden als Vorbild mit Umweltsteuern auf fossile Energieträger wie Heizöl. Diese schaffen optimale Rahmenbedingungen für eine kontinuierliche Entwicklung der Biomasse im Wärmesektor, die damit kostengünstiger ist. Seit mehr als 20 Jahren ist in Schweden Biomasse durch diese steuerlichen Maßnahmen deutlich kostengünstiger als Heizöl. Zugleich konnte bei ständig sinkenden CO2-Emisssionen die Wirtschaftsleistung beachtlich erhöht werden. Auf diesem Gebiet hinkt Österreich momentan noch hinterher, auch wenn die finanzielle Förderung der privaten Biomasse-Heizungen ein erster Schritt in die richtige Richtung ist.

Wie beurteilen Sie den auch im Rahmen dieser Konferenz deklarierten Aufbruch Chinas in das Bioenergiezeitalter?
Die Chinesen haben in den beiden vergangenen Jahren die Problematik der Treibhausemissionen zur Kenntnis genommen und gehen nun mit einem unglaublichen Elan daran, Bioenergieanlagen in geradezu unvorstellbar großen Stückzahlen im ganzen Land aus dem Boden zu stampfen. Dabei spielen insbesondere Biogasanlagen, die aus Abfällen und dgl. gespeist werden, eine große Rolle, die einer regionalen Versorgung dienen.

Wie sehen Sie die Problematik der Konkurrenz zwischen Ackerflächen für Nahrungsanbau und für die Gewinnung von Biomasse?
In Europa sind derzeit keine Engpässe an landwirtschaftlicher Fläche erkennen. Helmut Lamp, der Vorsitzender des deutschen Bundesverbands für BioEnergie, hat in seinem Referat deutlich gemacht, dass es in Europa Millionen Hektar gibt, die nicht bewirtschaftet werden. Daher gibt es ein riesiges Potenzial, speziell in osteuropäischen Ländern, den Anbau von Biomasse auszuweiten. Das eröffnet zudem neue Verdienstmöglichkeiten im landwirtschaftlichen Sektor, der seit langem mit stetig sinkenden Agrarpreisen zu kämpfen hat. Steigende Preise stellen hier einen Anreiz dar, die Produktionsflächen auszuweiten. Was die Produktion in Übersee betrifft, sollte man aber zugleich aus Gründen des Wettbewerbs darauf achten, dass auch diese unter nachhaltigen Gesichtspunkten erfolgt.

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