Das nachhaltige Magazin für Graz und die Steiermark
Neue Grazer Tram kommt als Sonderzug aus Pankow
Mittwoch, 12. Dezember 2007
Die Fans der Grazer „Öffis" dürfen sich bereits jetzt freuen, auch wenn die Verwirklichung ihrer Wünsche noch ein bisserl dauern wird. Der Fuhrpark des Grazer Schienenverkehrs wird in den kommenden Jahren den langersehnten Modernisierungsschub durch Niederflur-Trams neuester Bauart erfahren. Der Hersteller der neuen Garnituren, die Stadler Pankow Gruppe, gewährte in Berlin einer Grazer Delegation einen Blick hinter die Kulissen der Produktion der „Variobahn".

Moderne Niederflur-Garnituren. Mit der Bestellung von 45 neuen Niederflur-Straßenbahnen tätigt die Grazer Stadtwerke AG mit einem Auftragsvolumen von 97,2 Mio Euro ihre bislang größte Einzelinvestition im Bereich des öffentlichen Personennahverkehrs. Bei der Ausschreibung der neuen Straßenbahnzüge konnte die schweizerisch-deutsche Stadler Gruppe mit ihrem technischen Konzept und niedrigen Kosten im Wettbewerb nachhaltig überzeugen.

Die in Graz herrschende Typenvielfalt verursacht viel Aufwand in Service und Lagerhaltung – die ältesten Wägen stammen noch aus den frühen sechziger Jahren, „es wird endlich Zeit, einen einheitlichen Typ flächendeckend zum Einsatz zu bringen, das birgt nicht zuletzt ein immenses Sparpotenzial", erläutert Stadtwerke-Vorstand Dr. Wolfgang Messner. „Ursprünglich wollten wir nur rund die Hälfte der Anzahl ordern, aber dank der sehr viel günstigeren Konditionen haben wir die Bestellung durch Optionen aufgestockt", erklärt Stadtwerke-Vorstand DI Wolfgang Malik.

 

Innovative Technologie international bewährt. Im Berliner Stadtteil Pankow befinden sich die Montagehallen für die „Variobahn". Obwohl diese Produktionsanlage die modernste in Europa war, sollte sie 1999 geschlossen werden und wurde in letzter Sekunde von der Stadler Gruppe übernommen. Seit 1993 hat sich die Variobahn in Chemnitz und anderen europäischen Städten bewährt, wie z.B. in Helsinki, wo durchaus extreme Wetterbdingungen herrschen können. Eine EU-Studie von 2002 hat übrigens die Variobahn als leisestes Fahrzeug ihrer Art erkoren. Sogar nach Australien und Übersee wurden ähnliche Fahrzeuge ausgeliefert – Geschäftsfelder, die durchaus noch viel an Potenzial haben, wie die Stadler-Geschäftsführung betont.

„Der Einsatz von Radnaben-Motoren, die sich um die Achsen drehen, ermöglicht erst die 100-prozentige Niederflurbauweise", erläutert Stadler-CEO DI Michael Daum. Bei diesen modernen Straßenbahnfahrzeugen werden bei Bremsungen die Motoren als Generatoren geschaltet, sodass elektrische Energie zurück in die Fahrleitung gespeist wird. Sämtliche Radnaben-Motoren werden von den Traktionsystemen Austria von Fertigungsstandorten in Österreich (u.a. in Weiz) an Stadler zugeliefert, was somit auch einen wertvollen Beitrag für die heimische Wertschöpfung darstellt.

 

 

„Roll-Out" in Nürnberg. Einziger Wermutstropfen: Die ersten Straßenbahnen werden in Graz leider erst 2010 in Betrieb gehen. Einen ersten Eindruck vom Praxiseinsatz „erfuhr" die Delegation der Stadtwerke in Nürnberg, dessen Verkehrsbetriebe die ersten Straßenbahnzüge vom Typ „Variobahn" bereits geliefert bekommen haben. Der Ende November festlich begangene „Roll-Out" vermochte die Beteiligten zu begeistern. Die geräumigen und bequemen Niederflur-Züge überzeugen durch ihre Laufruhe und Verarbeitungsqualität, bestätigt GVB-Direktor DI Dr. Antony Scholz: „Die Garnituren für Graz werden zudem von ihrer Länge und Breite her an die bestehenden Verkehrsbedingungen angepasst, um etwa die Doppelhaltestellen weiterhin nutzen zu können."

 

 

Maßgeschneidert für Graz. Der modulare Aufbau der Straßenbahnzüge ermöglicht deren jederzeitige und einfache Erweiterung, um im Bedarfsfall die Kapazitäten deutlich zu erhöhen, freut sich Scholz, „das ermöglicht auch in Zukunft die entsprechende Flexibilität, um den steigenden Anforderungen im Fahrgastbereich gerecht werden zu können".

Im Hinblick auf die äußere Gestaltung der 27 Meter langen Fahrzeuge will man versuchen, eigene Wege zu beschreiten, um im Stadtbild positiven Akzente zu setzen. Es ist daher geplant, dass Mitte Dezember Dr. Gerhard Heufler in einem Design-Workshop gemeinsam mit Grazer FH-Studenten des Industrial Design und Stadler-Technikern verschiedene Varianten für ein flottes Auftreten der Trams erarbeitet.

 

Josef Schiffer

» Keine Kommentare
Es gibt bisher noch keine Kommentare.
» Kommentar schreiben
Nur registrierte Benutzer können Kommentare schreiben.
Bitte melden Sie sich an oder registrieren Sie sich.
 
< zurück   weiter >