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Freie Theaterszene: "Schlechte Kritik ist besser als keine"
Donnerstag, 18. Oktober 2007
Im Rahmen einer Dialogveranstaltung innerhalb des Festivals der Freien Theater „bestOFFstyria 2007" (11.-15.9.) stellten sich Vertreter steirischer Printmedien den Ergebnissen einer Studie von Caroline Oswald mit dem Titel „Die Rolle regionaler Printmedien im Kultur- bzw. Theaterbetrieb – 2.Teil. Eine Analyse der Kulturberichterstattung in der Steiermark anhand der Kleinen Zeitung, Kronen Zeitung, Falter/Steiermark und korso". Unter der Moderation von Michael Petrowitsch (IG Kultur Steiermark) diskutierten am Podium Frido Hütter (Kleine Zeitung, Ressortleiter Kultur), Thomas Wolkinger (Steiermark-Falter) und Schauspieler Martin Horn.

Der Großteil der präsentierten Studie widmet sich einem Vergleich der beiden meistgelesenen Printmedien, der Kleinen Zeitung und der Kronen Zeitung, mit dem Ziel, Trends und Entwicklungen von 2006 auf 2007 an Parametern, wie Wortanzahl der Artikel, Anzahl der angekündigten und rezensierten Veranstaltungen oder Größe des Zeitraums von einer Veranstaltung bis zur Rezension, festzumachen.

 

 

„Freie" in der Krone, Termine in der Kleinen. Die wichtigsten Ergebnisse lauten: Trotz des kleineren Gesamtraums, den die Kulturberichterstattung in der Kronen Zeitung im Vergleich zur Kleinen einnimmt, liegt die Krone, was die Ausgeglichenheit der Berichterstattung über verschiedene Ereignisse betrifft, eindeutig vorne und würdigt daher auch in höherem Ausmaß die Freie Theaterszene. Die Kleine Zeitung punktet dagegen – vor allem durch ihr Aviso und die Beilage „Sieben Tage" – hinsichtlich der Anzahl der Ankündigungen. Dies jedoch legt zugleich die Befürchtung nahe, Kulturberichterstattung könnte auf lange Sicht auf Ankündigungen reduziert werden, so Oswald. Zudem ist die Anzahl der Ankündigungen von Veranstaltungen der Freien Szene im Sinken begriffen. In der Kleinen Zeitung fand Caroline Oswald aber auch zwei positive Trends: Zum einen verkürzte sich der Zeitraum zwischen einer Veranstaltung und ihrer Kritik von neun Tagen im Vorjahr auf drei Tage, zum anderen wurde im März 2007 über doppelt so viele Veranstaltungen berichtet wie im März 2006.

Die wichtigsten Ergebnisse lauten: Trotz des kleineren Gesamtraums, den die Kulturberichterstattung in der Kronen Zeitung im Vergleich zur Kleinen einnimmt, liegt die Krone, was die Ausgeglichenheit der Berichterstattung über verschiedene Ereignisse betrifft, eindeutig vorne und würdigt daher auch in höherem Ausmaß die Freie Theaterszene. Die Kleine Zeitung punktet dagegen – vor allem durch ihr Aviso und die Beilage „Sieben Tage" – hinsichtlich der Anzahl der Ankündigungen. Dies jedoch legt zugleich die Befürchtung nahe, Kulturberichterstattung könnte auf lange Sicht auf Ankündigungen reduziert werden, so Oswald. Zudem ist die Anzahl der Ankündigungen von Veranstaltungen der Freien Szene im Sinken begriffen. In der Kleinen Zeitung fand Caroline Oswald aber auch zwei positive Trends: Zum einen verkürzte sich der Zeitraum zwischen einer Veranstaltung und ihrer Kritik von neun Tagen im Vorjahr auf drei Tage, zum anderen wurde im März 2007 über doppelt so viele Veranstaltungen berichtet wie im März 2006.
Im inhaltlichen Vergleich zeigte sich in der Kleinen Zeitung eine Tendenz zur internationalen Popkultur, in der Krone werden kulturpolitische Themen vermisst, sie liegt aber zusammen mit dem Falter Steiermark hinsichtlich regionaler Kultur vorne, und korso besticht (ausschließlich) in Sachen regionale und österreichische Kulturpolitik.

 

Offene Journalisten-Worte. Frido Hütter verteidigte die konstatierten und aus der Sicht der Freien Theaterszene negativen Entwicklungen mit dem Argument, der Platz für Kulturberichterstattung habe sich zwar in den letzten 15 Jahren verdoppelt, zugleich gebe es aber 15-mal mehr Veranstaltungen. Den positiven Trend von März 06 auf März 07 zerschlug er allerdings und schrieb ihn dem Zufall zu: „Wahrscheinlich gab’s heuer weniger prominente Tote." Vonseiten der Freien Theaterszene wurden zwei Kritikpunkte geäußert: Die Kulturberichterstattung konzentriere sich vorwiegend auf die Stadt Graz und ließe den Rest der Steiermark unberücksichtigt. Dazu Thomas Wolkinger mit einem so banalen wie realistischen Argument: „Die Journalisten sind unterbezahlt und können sich eine Reise in den ländlichen Raum schlichtweg nicht leisten."

Frido Hütter verteidigte die konstatierten und aus der Sicht der Freien Theaterszene negativen Entwicklungen mit dem Argument, der Platz für Kulturberichterstattung habe sich zwar in den letzten 15 Jahren verdoppelt, zugleich gebe es aber 15-mal mehr Veranstaltungen. Den positiven Trend von März 06 auf März 07 zerschlug er allerdings und schrieb ihn dem Zufall zu: „Wahrscheinlich gab’s heuer weniger prominente Tote." Vonseiten der Freien Theaterszene wurden zwei Kritikpunkte geäußert: Die Kulturberichterstattung konzentriere sich vorwiegend auf die Stadt Graz und ließe den Rest der Steiermark unberücksichtigt. Dazu mit einem so banalen wie realistischen Argument: „Die Journalisten sind unterbezahlt und können sich eine Reise in den ländlichen Raum schlichtweg nicht leisten."
Martin Horn kritisierte die Berichterstattung und Rezensionen als zu „niedlich, wohlwollend, freundlich", „ich möchte ernst genommen werden, wir brauchen auch schlechte Kritik".

Das Fehlen von und der Wunsch nach einer ernsthaften Auseinandersetzung mit der künstlerischen Arbeit innerhalb der Freien Szene führte zum Resümee des Dialogs: Die Kulturberichterstattung regionaler Printmedien hat sich gegenüber dem Vorjahr nicht wesentlich verbessert.


Kathi Kessler

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