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Archiv - Eine Welt
Montag, 13. November 2006
ImageMilan Colić Humljan, Sanja Deankovič und Nermin Karačić

Der Dialog ehemaliger Kriegsteilnehmer ist ein Teil der Versöhnungsarbeit in Ex-Jugoslawien. In Österreich wiesen Umfragen 1988 eine hohe Zustimmung von 38 Prozent zugunsten einer Auflösung unseres Bundesheeres aus. Die Friedensbewegung sah sich in ihrem Bestreben der grundsätzlichen Überwindung militärischer Strukturen knapp vor einem historischen Durchbruch.

Der bald darauf folgende kriegerische Zerfall Jugoslawiens hat diese hoffnungsvollen Perspektiven gründlich zerschlagen und stellt für die Friedenarbeit hierzulande bis heute ein stark irritierendes Moment dar. Auch im Sinne dieser Herausforderung luden KORSO und mehrere MitveranstalterInnen (ARGE Jugend gegen Gewalt und Rassismus, Evangelisches Bildungswerk, Grüne Akademie, KPÖ-Bildungsverein, Land Steiermark – Bildung, Renner-Institut, ÖH-Uni-Graz, Pax Christi, Steirische Friedensplattform) kürzlich drei FriedensaktivistInnen aus dem zerstückelten Nachbarstaat zu einer Veranstaltung an die Universität Graz.

Den eigenen Standpunkt relativieren. Vor gut 70 ZuhörerInnen gaben der aus Südserbien stammende Milan Colić Humljan, die in Split aufgewachsene Sanja Deankovič und der bekennende Muslim Nermin Karačić aus Sarajewo Einblick in ihre konkrete Arbeit. Im Zentrum steht der Versuch das Gespräch zwischen Feinden in Gang zu bringen.

Franz Sölkner

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Das CNA (Centar za nenasilnu aciju = Zentrum für gewaltfreie Aktion). Die Friedensgruppe ist in Belgrad und Sarajevo mit eigenen Niederlassungen vertreten: Sie organisiert Dialogrunden und Trainings und gestaltet Unterrichtsmaterialien. Eines dieser audiovisuellen Unterrichtsmittel, der Film „Tragovi" (dt.: Spuren) wurde im Rahmen der Grazer Veranstaltung erstmals im deutschsprachigen Raum gezeigt. Darin sprechen ehemalige Kämpfer und deren Angehörige und Freunde über ihre Erinnerungen und die persönliche Verantwortung für die blutigen Ereignisse. So etwa der schwer kriegsversehrte Novica Kostic: „Der Krieg hat nichts gelöst. Meine großen Probleme begannen erst durch den Krieg. Ich habe zu verantworten, dass ich mich nicht früh genug jenen Leuten angeschlossen habe, die gegen den Krieg aufgetreten sind!"

„Der Film „Tragovi" ist deutsch untertitelt und kann zum Preis von 10 € (plus Versandspesen) bei KORSO – bitte nur per E-Mail unter korso@korso.at – angefordert werden. Er eignet sich vortrefflich für den Unterrichtseinsatz in der Oberstufe.

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