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Mittwoch, 8. Dezember 2010
Mitten ins Tätigkeitsfeld des Städtischen stürzte sich eine recht ungewöhnliche Buchpräsentation – mit „Projekte 2009“ hat das Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark nun sein zweites Jahrbuch präsentiert. Dazu hat man eigens eine Garnitur des Cityrunners gekapert, der neben geladenen Gästen und interessiertem Publikum auch ganz normale Passagiere durch die Stadt transportierte. Auf der öffentlichen Bühne der Straßenbahn stiegen immer wieder Schauspieler der Zweiten Liga für Kunst und Kultur zu. Lautstarke Telefongespräche, die in private Schicksale entführen, verwirrte Protagonisten, die lautstark ihre Phrasen postulieren, ein Opernsänger, der mitten in der Bim ein Stück zum Besten gibt, oder das sperrige Billy-Regal, das gleich auf dem Nachhauseweg zusammenbaut wird – diesmal war alles Programm. Die Arbeit mit dem öffentlichen Raum ist vielschichtig und umfasst weit mehr als das Aufstellen von permanenten Objekten. Dementsprechend finden sich auch viele temporäre Interventionen und flüchtige Prozesse unter den 21 Projekten, die das Institut im Vorjahr realisieren konnte. Kulturlandesrat Dr. Christian Buchmann trat als Befürworter der Förderung von Kunst im öffentlichen Raum auf, die auch jene Menschen mit Kunstwerken konfrontiere, die sich kaum in Museen verirren – er sprach sich im Besonderen für temporäre Objekte aus – „da zentrale Plätze oft verbaut sind und eine spannende künstlerische Auseinandersetzung nur für kurze Zeit zulassen.“

Schwankende Plattform öffentlicher Raum.
Dieser „temporären“ Ansicht ist auch der Leiter des Instituts für Kunst im öffentlichen Raum, Dr. Werner Fenz – vor allem wenn es um radikalere Positionen ginge. Zwei umfassende Erinnerungsprojekte haben sich 2009 dennoch fest in den steirischen Boden eingeschrieben: Jochen Gerz, der die Ergebnisse seiner über Printmedien geführten Diskussion „63 Jahre danach“ als Schrift- und Bildtafeln in den öffentlichen Raum übertrug, oder Helmut und Johanna Kandl, die am Wächterhaus in Aflenz an der Sulm das ehemalige KZ-Außenlager wieder sichtbar werden ließen.
Zu Wort kamen auch Projektbeteiligte: Detlev Gruber, Bürgermeister von Retznei, wurde vom Institut bei der Gestaltung des Hauptplatzes unterstützt, wo heute ein gelungenes, aber doch recht ungewöhnliches „Brunnenwerk“ des Künstlers Michael Kienzer eingelassen ist. War die Bevölkerung anfangs ein wenig skeptisch, so können sich heute alle für die Idee der begehbaren, auf dem Wasser schwankenden Betonplattform begeistern. Auf den Geschmack gekommen ist auch die Gemeinde Hitzendorf, die nach einem temporären Filmprojekt mittlerweile Gespräche mit dem Künstler Werner Reiterer führt, um ein Kunstwerk im Ort „Platz nehmen“ zu lassen. Dies geschieht im Rahmen der Projektreihe „Platzwahl“, die steirische Gemeinden einlädt, sich für künstlerische Interventionen zu öffnen. Aber nicht nur für Gemeinden, auch für KünstlerInnen ist das Institut in den letzten Jahren zur wichtigen Anlaufstelle geworden, wo Vorschläge unbürokratisch eingebracht werden können. Über die Förderungen entscheidet der Beirat – das Institut betreut die Realisierung mit all ihren Problemen. Keine schlichte Förderstelle also, sondern vielmehr ein profunder Projektpartner.

Das Buch „Kunst im öffentlichen Raum Steiermark – Projekte 2009, 280 Seiten, 435 Abbildungen ist im Springer Verlag erschienen und für 38,86 Euro käuflich zu erwerben. Aktuelle Projekte finden sich unter www.oeffentlichekunststeiermark.at

| Eva Pichler
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