korso Wissenschaft & Forschung
Das Informationsmagazin 
der Steiermark
 
11/2004
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    Steiermark: Nummer eins bei Nano-Förderung


Bund und Land setzen verstärkt auf Nanowissenschaften und Nanotechnologien als „die“ Zukunftswissenschaft schlechthin. Dementsprechend hoch sind auch die Förderungsgelder: 60 % (rund 6,7 Mio Euro) der österreichischen Förderungsgelder (insgesamt 10,83 Mio Euro) fließen in steirische Projekte, die Teil eines Netzwerkes, des „Nanonet Styria“, sind. Von den fünf ausgewählten österreichischen Forschungsprojekten stammen drei von steirischen Konsortien (Istotec, 3,6 Mio Euro; Nanocoat, 1,75 Mio Euro; Nano-Health, 1,5 Mio Euro).

Bei der Preisverleihung (v.l.n.r.) HR Dr. Piffl-Percevic, DI Heinz Florian (EPCOS), Dr. Irene Begsteiger (Frauenthal GmbH), Univ.Prof. Dr. Emil List, Landeshauptmann-Stv. DI Leopold Schöggl, Dr. Georg Schitter

Ein zusätzlicher öffentlichkeitswirksamer Beitrag kommt nun vom Land Steiermark, das 27.000 Euro für Forschungspreise bereitgestellt hat. LH-Stv. Dipl.-Ing. Leopold Schöggl argumentiert bei der Präsentation der Forschungspreise für 2004 mit dem wirtschaftlichen Nutzen: „Die Nanowissenschaften und Nanotechnologien werden in den kommenden Jahren verstärkt in die verschiedensten wirtschaftlichen Anwendungen einfließen und maßgeblich die Entwicklung neuer Materialien, Technologien und Produkte beeinflussen, ja überhaupt erst ermöglichen.“ Organisiert wurde die Preisverleihung vom steirischen Braintrust Joanneum Research.

Preisträger 2004
Den Forschungspreis für Grundlagenforschung im Wert von 10.000 Euro erhielt Univ.-Prof. Dr. Emil List vom Institut für Festkörperphysik der TU Graz. In seiner Arbeit untersuchte List die grundlegenden Eigenschaften von elektroaktiven, lichtemittierenden Polymeren, wie sie etwa bereits für Flachbildschirme eingesetzt werden. Den Forschungspreis für wirtschaftliche Anwendungen (15.000 Euro) errang die Porzellanfabrik Frauenthal GmbH, die Österreich-Tochter des deutschen Bauelemente-Herstellers Epcos in Deutschlandsberg. Ihre Entwicklung – ein hoch temperaturstabiler Diesel-Katalysator mit Nano-Struktur –zielt auf einen aktuellen Markt, die Abgasreinigung von dieselbetriebenen Fahrzeugen. Den mit 2.000 Euro dotierten Forschungspreis für Nachwuchsförderung erhielt Dr. Georg Schitter: Er zeigte in seiner Dissertation eine Methode auf, die Messgeschwindigkeit von Rastersondenmikroskopen, die zu den wichtigsten Forschungs-Werkzeugen gehören, zu erhöhen.

– gk –

Nähere Infos über die Projekte: www.nanonet.at

 

 

  Konflikte lösen kann man lernen – Partizipation auch


Die gesellschaftliche Entwicklung stellt an MitarbeiterInnen in der schulischen und außerschulischen Jugendarbeit große Anforderungen. Dies erfordert nicht nur eine dementsprechende Aus- sondern auch eine qualifizierte Weiterbildung. Das Forum politische Bildung versucht im Sinne einer handlungsorientierten Bildungsarbeit mit dem Zertifikatslehrgang „Gemeinschaftsbasierende Konfliktlösung“ diesen Ansprüchen gerecht zu werden. Wenn Konflikte von den direkt Betroffenen konstruktiv ausgetragen werden, steigen die Chancen für dauerhafte und nachhaltige Lösungen.

Ab 11. 11. findet ein Einstiegskurs in Mediation und Gruppengesprächsvermittlung statt, der Fortsetzungskurs beginnt im Feber 2005. Kursleiter sind Dr. Hania M. Fedorowicz und Peter Scheibengraf. Die TeilnehmerInnenbeiträge sind sozial gestaffelt.

Weiters wird vom selben Veranstalter ein „Lehrgang Partizipation“ angeboten, der beginnend mit Jänner 2005 im November 05 ebenfalls mit einem Zertifikat abschließt. Das Erlernen partizipativer Methoden soll Gruppenleiter, Erwachsenenbildner etc. ermöglichen, Gruppenprozesse von den Rahmenbedingungen her so zu gestalten, dass eine Gruppe ideale Arbeits- und Entwicklungsbedingungen vorfindet. Ein Informationsabend zu diesem Lehrgang findet am Montag, 14. 12., um 18.00 im Auschlössl, Friedrichgasse 36 statt.

Anmeldung für beide Lehrgänge beim Veranstalter:
Forum Politische Bildung Steiermark | 0316 / 81-60-89 | M forum@gesellschaftspolitik.at

 

 

  „Gesundheitsziele“ als Basis für eine Reform des Gesundheitswesens


Im Rahmen der 32. Forumveranstaltung des Sozialmedizinischen Zentrums (SMZ) Liebenau, das seit 20 Jahren als medizinische Versorgung, Pflege, Beratung und Gesundheitsförderung unter einem Dach anbietet, diskutierten am Montag, den 18. Oktober 2004 Gesundheitslandesrat Mag. Wolfgang Erlitz, Dir. DI Kurt Völkl (Management der Controllinggruppe des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger), Dr. Jörg Pruckner, Landes- und Bundesobmann der Kurie der niedergelassenen Ärzte und Dr. Markus Narath, Verfasser des Journals für Gesundheitsökonomie, über das Thema „Gesundheitssystem – Reformierung oder Deformierung“. Moderiert wurde die Podiumsdiskussion von Dr. Ernst Sittinger von der „Presse“. Die Debatte fand am Vorabend der Entscheidung der Bundesregierung statt, auf die geplanten Gesundheitsagenturen zu verzichten.

Markus Narath, Jörg Pruckner, Ernst Sittinger (Moderation), Wolfgang Erlitz: Definition von Gesundheitszielen muss einer Reform vorangehen

Privat finanzierte Systeme sind teurer
Gesundheitslandesrat Erlitz wies in seinem Eingangsstatement auf die Qualität des österreichischen Gesundheitssystems hin. Es sei eines der besten der Welt und liege im internationalen Vergleich an 6. Stelle. Sehr viel teurer seien Systeme wie das der USA, wo der private Finanzierungsanteil am Gesundheitssystem über 8% des BIP betrage (der staatliche beträgt hingegen bloß 6,6%). Selbstbehalte machten ein System also nicht billiger, sie verschöben nur die Kosten von öffentlich nach privat. Daher seien Lösungen über Selbstbehalte kontraproduktiv. „Vom solidarischen System dürfen wir nicht abgehen – 15% der Menschen brauchen 85% der Leistungen. Medizinischer Fortschritt muss allen Menschen zugänglich gemacht werden“, so Erlitz. Effizienterer Einsatz von Mitteln sei beispielsweise bei parallelen Leistungen möglich; im Mittelpunkt aller Überlegungen müsse aber der Mensch stehen. Gesundheit gehöre zu den genuinen Aufgaben des Staates und könne nicht dem freien Markt überlassen werden.

Kostenkriterien allein können keine Gesundheitsreform begründen
Pruckner betonte ebenfalls die Qualität des österreichischen Gesundheitssystems – mit Finnland liege Österreich in Punkto Qualität weit vorne. Pruckner wies darauf hin, dass niedergelassene Ärzte nie für das Defizit des Gesundheitswesens verantwortlich gewesen seien und dass eine Reformierung des Systems allein nach Kostenkriterien nur eine Deformierung des Systems sein könne. Kritisiert wurde von ihm wie von Personen im Publikum, dass „der Patient in all den Reformpapieren nicht vorkommt“. In der Diskussion kamen aus dem Publikum Forderungen nach Beteiligungskonzepten sowie nach der Selbstvertretung von PatientInnen, Wortmeldungen, die von den ZuhörerInnen mit Applaus bekundet wurden. Für Dr. Narath ist PatientInnenmitbestimmung nur bei konkreten Problemen sinnvoll, nicht bei gesundheitspolitischen Entscheidungen. Für eine Effizienzsteigerung des gegenwärtigen, dualen Systems bestehend aus den Spitälern und den Praxen niedergelassener Ärzte forderte Pruckner, Ambulanzen abzubauen und dem niedergelassenen Bereich viel mehr Leistungen zu überantworten – dazu gehöre auch eine Erweiterung der Organisationsstruktur sowie die Zulassung von Gruppenpraxen. In diesem Zusammenhang verwies Dr. Rainer Possert, Obmann des SMZ, dass die Praxisgemeinschaft des SMZ seit 20 Jahren erfolgreich arbeite. Dr. Narath sprach sich gegen eine „Vernichtung des dualen Systems“ aus.

Einigkeit über die Notwendigkeit von Gesundheitszielen
Bezugnehmend auf die geplante Gesundheitsreform, insbesondere die Gesundheitsagenturen, warnte Narath vor „den Moden und dem internationalen Zwang“, ständig reformieren zu müssen. Wenn schon Reform, dann müsse gründlich überlegt werden, was denn zu reformieren sei. Narath forderte eine Nachdenkpause bis 2006. Völkl gab zu bedenken, dass es im Zuge des Reformierens Verlierer geben werde. Daher solle auf Nachhaltigkeit bedacht genommen werden und nicht auf punktuelle Interventionen. Gesundheit sei eine Public-Value-Aufgabe, die „eine nachhaltige Effizienzsteigerung und vor allem Gesundheitsziele“ benötige.

Für Erlitz sollen „weder Bund noch Agenturen Gesundheitsziele definieren, diese wollen wir im Land selbst festlegen. Daher soll möglichst rasch – eventuell heuer noch – eine Gesundheitskonferenz einberufen werden.“ Im Rahmen dieser Konferenz seien Gesundheitsziele zu definieren, die für die Politik bindend sein müssten, vorstellbar sei ein Kooperationsmodell zur Bündelung von Ressourcen und Ideen, in das alle Beteiligten eingebunden werden sollten.

Auf die Wertigkeit der Gesundheitsförderung angesprochen unterstrich Erlitz, dass Österreich im Bereich der Gesundheitsförderung im EU-Vergleich nicht besonders gut platziert sei; er bedauere, dass nur 1% des Landes-Gesundheitsbudgets für Gesundheitsförderung inklusive Krankenpflegeschulen vorgesehen sei; eine weitere Reduktion sei zu befürchten. Die Förderung des Bewusstseins für Gesundheit müsse aber bereits in der Schule beginnen, etwa im Rahmen eines einstündigen Pflichtfaches.

Aus für Gesundheitsagenturen
Die Abschlussrunde war geprägt von Wortmeldungen zur Wichtigkeit der Definition von Gesundheitszielen, zur Notwendigkeit der Kostentransparenz und der Bündelung von Ressourcen und Ideen in einem Kooperationsmodell (Erlitz). Die im Rahmen der von Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat geplanten Gesundheitsreform vorgesehenen Gesundheitsagenturen blieben in der Abschlussrunde im Detail unerwähnt. In der Diskussion wurde noch einmal darauf hingewiesen, dass sie „aus der Wirtschaftspolitik abgeschrieben“ (Pruckner) seien.

Am Tag nach der Diskussion kam das „Aus“ für die Gesundheitsagenturen. Stattdessen sollen nun die Landesfonds zu überregional arbeitenden Gesundheitsplattformen aufgewertet werden, die den Spitals- und niedergelassenen Bereich koordinieren.

– Doris Schmid –

 

 

 

Wirksame Palliativmedizin muss interdisziplinär sein „Pallium“ ist die lateinische Bezeichnung für einen „mantelähnlichen Umhang“. Palliativmedizin hat in der Tat die Aufgabe, wie ein schützender Mantel zu wirken; mit diesem Begriff wird die aktive, ganzheitliche Behandlung von PatientInnen bezeichnet, die an einer Erkrankung leiden, die auf Heilbehandlung nicht (mehr) anspricht.


Palliativmedizin im Aufbruch
war das Thema des 1. Österreichischen Interdisziplinären Palliativkongresses von 13. bis 16. Oktober 2004 in Graz. Leitgedanke war die Multidisziplinarität als Grundidee palliativmedizinischer Betreuung: Diese umfasst nicht nur die Behandlung körperlicher Symptome, sondern auch psychischer, sozialer und spiritueller Probleme.

Multiprofessionell und interdisziplinär
Dr. Franz Zdrahal, Präsident der Österreichischen Palliativgesellschaft, wies auf die Vorreiterrolle Österreichs in der Hospiz- und Palliativbewegung hin: „Bei uns wird bereits multidiziplinär gearbeitet.“ Um „Sterben lebbarer zu gestalten“ spricht sich Zdrahal für die Schulung professioneller BetreuerInnen aus, die „Extemsituationen auch selbst unbeschadet aushalten müssen“. Auch Angehörigen solle man Fortbildung anbieten, ist DGKP Bernhard Glawogger, Präsident der AHOP – „Arbeitsgemeinschaft hämato-onkologischer Pflegepersonen in Österreich“ überzeugt und plädiert für multiprofessionelle Teams in der Palliativmedizin bestehend aus Ärzten, Pflegenden, SozialarbeiterInnen, PsychologInnen, professionellen HelferInnen und ehrenamtlichen BetreuerInnen.

Besonders wichtig sei, so OA Dr. Imke Strohscheer von der Universitären Palliativmedizinischen Einrichtung Graz (Leitung: Univ. Prof. Dr. Hellmut Samonig), die frühzeitige Einbindung der MedizinstudentInnen. Dem interdisziplinären Team der Einrichtung gehören auch ehrenamtliche MitarbeiterInnen des Hospizvereines Steiermark an.

Vom Pilotprojekt zum Standard-Angebot
Dass wirksame Palliativmedizin nicht umsonst zu haben sei, darauf wies Dr. Johann Baumgartner (Koordination Palliativbetreuung Steiermark) hin. In der Steiermark gibt es 33 palliativmedizinischen Einrichtungen (das sind 20% der Einrichtungen in Österreich). Die Weiterfinanzierung der Pilotprojekte ist jedoch unsicher. Baumgartner: „Wir streben die Überführung in eine Regelfinanzierung und einen gerechten Zugang für alle an, die Betreuung brauchen.“

Als zentrale Aufgaben sehen die ExpertInnen die Kooperation der mobilen Palliativteams mit den niedergelassenen ÄrztInnen und damit die Forcierung der ambulanten Palliativbetreuung. Ein mobiles Palliativteam ist derzeit im Großraum Graz sowie in den Bezirken Hartberg und Feldbach tätig, auch für Leoben ist eines geplant.

– ds –

Info: Universitäre Palliativmedizinische Einrichtung am LKH-Univ.Klinikum Graz
T 0316-38 57 783 | www.palliativbetreuung.at | www.hospiz.at

 

 

 

Else Pappenheim: ZwischenPsychiatrie und Psychoanalyse Anlässlich der Vorstellung ihres soeben bei Nausner & Nausner erschienenen Buches „Hölderlin, Feuchtersleben, Freud – Beiträge zur Geschichte der Psychoanalyse, der Psychiatrie und Neurologie“ weilte die Psychoanalytikerin Else Pappenheim, wohl das letzte noch lebende Mitglied des berühmten „Wiener Psychoanalytischen Instituts“, in Graz.


Pappenheim, geboren 1911 in Salzburg, wuchs in Wien auf, wo sie eines der ersten Mädchengymnasien besuchte. Sie studierte Medizin mit Schwerpunkt Psychiatrie und Neurologie. Ihre Ausbildung als Psychoanalytikerin begann sie am Wiener Psychoanalytischen Institut, 1938 musste sie emigrieren; sie beendete ihre Ausbildung in den USA. Seit 1941 lebt sie in New York. Zu jung, um Freud selbst kennen zu lernen, hatte sie schon sehr früh Kontakt zu den meisten Mitgliedern der psychoanalytischen Gesellschaft.

Eine undogmatische Doyenne der Psychoanalyse: Else Pappenheim

Eine undogmatische Psychoanalytikerin
Für wahre FreudianerInnen war der Abend mit Else Pappenheim vermutlich eine Enttäuschung – für alle anderen wohl eine Bereicherung: Pappenheim war ihr Leben lang eine äußerst undogmatische Vertreterin der Psychoanalyse. So war sie etwa mit Alexandra Adler befreundet – mit der sie aber wenig über Psychoanalyse diskutierte, sonder mehr über Medizin. Außerdem, so Pappenheim, „war Alexandra ja nicht so dogmatisch“ wie Freud. Auch in den USA setzte sie ihren Weg abseits klassischer psychoanalytischer Karrieren fort. Sie traf sich zwar in New York regelmäßig mit den anderen aus Wien emigrierten PsychoanalytikerInnen, arbeitete aber in öffentlichen Spitälern mit psychisch schwer kranken Menschen. So nahmen auch die Schilderung der Verhältnisse in den öffentlichen psychiatrischen Anstalten, der Rassismus und ihre Versuche kleine Verbesserungen für die PatientInnen durchzusetzen – und sei es „nur“, dass sie die Erlaubnis erwirkte, in einem Saal mit hundert PatientInnen für einige Stunden am Tag das Fenster zu öffnen – großen Raum in ihren Erzählungen ein.

Pragmatische Zugänge
Ebenso ungewöhnlich für eine Psychoanalytikerin: Pappenheim ist von der Bedeutung von Medikamenten in der Therapie überzeugt. Sie verstand sich in erster Linie als Psychiaterin und Neurologin und nutzte die Psychoanalyse als eine mögliche Behandlungsform. Im Gegensatz zu vielen anderen AnalytikerInnen behandelte sie PatientInnen mit schweren Pathologien, die auch oft nicht genügend Geld hatten um sich einer jahrelangen Analyse zu unterziehen. Pappenheim: „Die Leute mussten ja auch von etwas leben und wenn sie nach New York zur Analyse kamen, dann bedeutete das einen Zeitaufwand von jeweils drei Stunden für fünf Tage jede Woche: Eine Stunde Analyse und zwei Stunden Fahrzeit.“

Auf die Frage, warum sie zwar jedes Jahr einige Wochen in Österreich verbringe, aber nie hierher zurückgekehrt sei, antwortete Pappenheim ausweichend; Wien sei jedenfalls die schönste Stadt der Welt. Sie verzichtete jedenfalls darauf, die mangelnden Bemühungen um die Rückkehr der jüdischen EmigrantInnen als Grund zu nennen.

– Johanna Muckenhuber –

 

Im von Bernd Handlbauer eingeleiteten und herausgegebenen Buch finden sich als erster Teil eine ausführliche Einleitung zu Pappenheims Werk und Leben und die Analyse der Emigration österreichischer PsychoanalytikerInnen, ihres fachspezifischen und kulturellen Einflusses in den USA und der Folgen der Vertreibung und der Amerikanisierung der Psychoanalyse. Die weiteren Abschnitte sind autobiographisch- historische Beiträge, Beiträge zur Geschichte der Medizin und der Psychoanalyse und klinische Beiträge, die großteils von Pappenheim selbst verfasst wurden.

Else Pappenheim: Hölderlin, Feuchtersleben, Freud – Beiträge zur Geschichte der Psychoanalyse der Psychiatrie und Neurologie“ von Else Pappenheim, herausgeben und eingeleitet von Bernhard Handlbauer, Graz, 2004: Nausner & Nausner

 

 

  20 Jahre b.a.s. – „zwischen genuss und sucht“ Unter dem Motto „Zwischen Genuss und Sucht“ feierte die Steirische Gesellschaft für Suchtfragen b.a.s. (betrifft abhängigkeit und sucht) in den Minoritensälen ihr zwanzigjähriges Bestehen und zog eine Bilanz ihrer Tätigkeit.


„Genuss und Sucht schließen sich aus. Dass Süchtige ungehemmt genießen, ist eine falsche Alltagsmeinung“, weiß Manfred H. Geishofer, der Geschäftsführer von b.a.s. „Jenseits von Abhängigkeit und Sucht stehen allerdings nicht Askese und Verzicht, sondern Lebensfreude, Begegnung und sinnliches Erleben“, so die Veranstalter. Ein Genuss-parcours mit Kulinarischem und Künstlerischem sollte alle Sinne ansprechen.

Das steirische b.a.s.-Team ist mittlerweile in allen Bezirken präsent

Alkohol bleibt das zentrale Problem
Die Einrichtung b.a.s. hat in den zwanzig Jahren ihres Bestehens ein Netz an Anlaufstellen in allen steirischen Bezirken geschaffen, die therapeutische und psychoziale Maßnahmen in einem noch immer vielfach tabuisierten Bereich ermöglichen. Gearbeitet wird mit Suchtkranken bzw. Suchtgefährdeten und deren Bezugspersonen, die vorrangig Probleme mit Alkohol und illegalen Drogen haben.

In einer Doppelconference berichteten Prim. Dr. Joachim Berthold (Vorsitzender) und Geishofer über die Entstehung der Einrichtung, die auf Vorinitiativen der Abteilung für Alkoholkranke im damaligen LSKH basiert. Die Alkoholsucht ist laut der Leitdiagnose der letzten zehn Jahre nach wie vor eines der größten Probleme. 43% der b.a.s.-KlientInnen sind davon betroffen, gefolgt von Personen ohne Abhängigkeitsdiagnose, zumeist Angehörige (22,3%), Essstörungen (10,8%), Cannabis (5,4%), pathologischem Glücksspiel (5,2%), Opiaten (5,0%) und Mehrfachabhängigkeiten (4,9%). Der Anteil von Konsumenten illegaler Drogen hat sich seit 2003 um fast 23% erhöht und beträgt insgesamt 16,7%.

Tausende von Menschen haben die Einrichtung bisher in Anspruch genommen: Ca. 7000 Menschen (43% Frauen, 57% Männer) kamen in ambulante Programme, die ca. 60.000 Maßnahmen – wie Einzel- und Familienberatungen, beinhalteten. In den 20 Jahren wurden insgesamt 30.000 Informationsgespräche durchgeführt.

– Gerlinde Knaus –

b.a.s. ist in Graz ab 1. Jänner 2005 unter folgender Adresse erreichbar: Dreihackengasse 1, 8020 Graz | www.bas.at

 

 

  Gelebte Verantwortung für die steirische Jugend


Zu Jahresbeginn wurde das Modellprojekt Jugendgesundheitsförderung auf dem Lande gestartet. Unterstützt durch Bildungs- und Jugendlandesrätin Mag. Kristina Edlinger-Ploder und Gesundheitslandesrat Mag. Wolfgang Erlitz, vom Fonds Gesundes Österreich und von 17 Partnergemeinden wurden seit März 2004 bereits 17 Projekte über den Projektfonds bewilligt, dessen Gesamtdotation 101.000,-- Euro beträgt. Vom Musikfestival gegen Rassismus über die selbstständige Adaptierung von Jugendräumen, Adventure Camps bis zu Selbstverteidigungskursen für Mädchen oder naturbezogenen Projektangeboten werden nur Projekte bewilligt, die nachweislich von Jugendlichen für Jugendliche entwickelt wurden. Die Jugendlichen profitieren dabei doppelt: Einerseits erhalten sie finanzielle Unterstützung für ihre Vorhaben, andererseits steht ihnen mit dem Projektteam der ARGE Jugend gegen Gewalt und Rassismus und Styria vitalis auch eine professionelle Projektbegleitung zur Verfügung.

Unterstützt werden nur Projekte, die von Jugendlichen für Jugendliche entwickelt wurden

Die gemeinsame Finanzierungsverantwortung durch die Bereitstellung von Bundes-, Landes- und Gemeindemitteln kann als besonders gelungenes Beispiel von best practice in der Finanzierung von Jugendgesundheitsförderung gelten. Vor diesem Hintergrund appellierten die beiden GeschäftsführerInnen Mag. Karin Reis-Klingspiegl von Styria vitalis und Mag. Christian Ehetreiber von der Arge Jugend gegen Gewalt und Rassismus an das Land Steiermark und die 17 Gemeinden, diese vorbildliche Finanzierungsstruktur auch für die nächsten Jahre sicherzustellen.

Nähere Informationen zum Projektfonds unter 0664-311 49 54 (Mag. Christian Ehetreiber) oder 0316-82 20 94-34 (Mag. Karin Reis-Klingspiegl)

 

 

  Graz: Vorbeugung gegen Delogierungen Armut und Wohnungslosigkeit greifen im städtischen Raum um sich: Schon 1500 Personen leben in Graz in Einrichtungen für Wohnungslose. Eine neue Beratungsstelle soll Delogierungen verhindern helfen.


Die Caritas als Projektträger eröffnet ab Jänner des kommenden Jahres die erste steirische Anlaufstelle für Delogierungsprävention in der „Arche 38“ am Eggenberger Gürtel. Schon im Vorfeld soll mit einem speziellen Hilfsangebot Delogierung, Wohnungslosigkeit oder Obdachlosigkeit verhindert werden. Die Gesamtkosten für das dreijährige Projekt (bis 31. 12. 2007 in der Höhe von 385.000 Euro werden aufgrund der Konzentration des Problems auf Graz vom Sozialressort des Landes Steiermark (231.000 Euro) und der Stadt Graz (154.000 Euro) getragen. Diese Summe inkludiert Personalkosten für acht SozialarbeiterInnen, Objektkosten und den Sachaufwand.

LR Kurt Flecker und StRin Tatjana Kaltenbeck: Gemeinsamer Einsatz für Delogierungs-Prävention

Delogierungsprävention hilft Kosten sparen
Mit vereinten (finanziellen) Kräften haben Soziallandesrat Kurt Flecker und Sozialstadträtin Tatjana Kaltenbeck-Michl eine solche Hilfs- und Beratungsstelle basierend auf der Studie der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe auf die Beine gestellt. (KORSO berichtete im März.) Dass Delogierungsprävention nicht nur das wirksamste, sondern auch das kostengünstigste Mittel ist, davon sind die beiden Politiker überzeugt. „Kurzfristig kostet eine solche Einrichtung Geld. Langfristig kann Prävention aber viel ersparen: Menschliches Leid und nicht zuletzt die Folgekosten von Wohnungslosigkeit, wie zum Beispiel erhöhte Sozialhilfeausgaben oder Kosten für Übergangswohnungen“, fasst Kaltenbeck zusammen. Die Zahlen sprechen für sich: Rund 1.500 Menschen in Graz leben bereits in Einrichtungen für Wohnungslose. Mehr als 2000 Delogierungsanträge werden jährlich bei Gericht eingebracht. Für über 800 Menschen leistet das Grazer Sozialamt Unterstützung in Form von Mietenbeihilfe. Kostenfaktor: 3 Mio Euro pro Jahr. Dazu kommen weitere 1,9 Mio Euro vom Sozialamt für die Versorgung wohnungsloser Menschen.

Von der Beratung bis zur Überbrückungshilfe
Das Leistungspaket der vernetzt arbeitenden Beratungsstelle WOG umfasst neben der Hotline die Analyse des Wohnungsproblems, umfassende soziale, mietrechtliche und finanzielle Beratung und Intervention. Neben der Erstellung eines individuellen Haushaltsplanes werden auch finanzielle Überbrückungshilfen angeboten. Die Beratungsstelle beabsichtigt außerdem, über ein Frühwarnsystem in Zusammenarbeit mit den Wohnbau-Genossenschaften und Hausverwaltungen an die KlientInnen heranzukommen.

Armut trotz Erwerbsarbeit
Als eine der wichtigsten Ursachen für zunehmende Verarmung von Menschen in Österreich, dem siebentreichsten Land der Welt, gilt bekanntlich Arbeitslosigkeit. Besonders armutsgefährdet sind allein erziehende Frauen, PensionistInnen und Familien mit mehreren Kindern. Aber: „Immer mehr Menschen fallen in die Kategorie der ,working poor‘: Sie sind erwerbstätig und trotzdem arm. Und immer mehr Menschen müssen zwei oder drei sogenannte McJobs annehmen, um überleben zu können“, so Kaltenbeck-Michl. „Eine Möglichkeit der Armutbekämpfung ist die Schaffung leistbaren Wohnraums. Beispielsweise mit der Umsetzung der SPÖ-Forderung „Wohnbeihilfe Neu“: Bei der Berechnung der Wohnbeihilfe sollen neben den Miet- auch fixe Betriebskosten berücksichtigt werden.“

– Gerlinde Knaus –

 

 

  Eso-Trends: Drogenentzug by Scientology


Im Kampf gegen undemokratisch-esoterische Entwicklungen in der Jugend-Szene ist viel Fingerspitzengefühl nötig: Während auf der einen Seite problematischen Tendenzen wie Satanskulten und politischem Extremismus entschieden entgegengetreten werden muss, bedürfen Jugendkulturen auch des Schutzes vor vereinfachender Diskriminierung. Die vom Landesjugendreferat in Auftrag gegebene wissenschaftliche Broschüre „Die schwarze Szene“ informiert erstmals über Jugendkulturen und ihr Verhältnis zu Spiritualität, Satanismus und Rechtsextremismus. Bedenklich: Immer mehr PädagogInnen nützen esoterische Praktiken in der Jugendarbeit.

Intellektuelles Interesse an der Kirche Satans
Die Leiterin des Landesjugendreferates, Mag. Jutta Petz und die Herausgeber der Logo-Fachbroschüre, Dr. Roman Schweidlenka und Religionswissenschaftlerin die Simone Philipp, zeigen aktuelle bedenkliche Tendenzen und Trends in der Steiermark auf. Die Erkenntnisse sind vor allem für Personen in der schulischen und außerschulischen Jugendarbeit interessant; Jugendliche und Erwachsene sollen für die Gefahren sensibilisiert werden, andererseits soll auch der Suche nach Spiritualität Raum gegeben werden.

Festzustellen sei, so die AutorInnen, dass sich Jugendliche verstärkt intellektuell für die „Kirche Satans“, die auch im Internet präsent ist, interessieren; andererseits würden zunehmend Anhänger der Jugendkultur der Gothics als Satanisten diffamiert; die „satanischen Elemente“ in ihrem Outfit seien aber in der Hauptsache als Ausdruck von Protest und Abgrenzung gegenüber etablierten gesellschaftlichen Verhaltensweisen zu sehen.

Esoterische Zwangsbeglückung und Sekten
Gleichzeitig nähmen esoterische Praktiken in der offenen Jugendarbeit zu, wobei auch rechtsextreme Vereinnahmungsversuche festzustellen sind. „Immer wieder kommt es zu esoterischer Zwangsbeglückung von SchülerInnen durch LehrerInnen mit Tarotkarten, Reiki, ,Positivem Denken‘ etc.“, so Schweidlenka. Ein Esoterikboom hat die offene Jugendarbeit erfasst: Visionssuchen, Schwitzhütten, neuer Schamanismus und Rituale sind im Aufwind. Die seriöse Aufnahme außerkirchlicher spiritueller Angebote in die Jugendarbeit steckt noch in den Kinderschuhen.

Gothic-Fans sind nicht zwangsläufig Satanskult-Anhänger, betont dersteirische Sekten-Experte Roman Schweidlenka

Während die „Sektenlandschaft“ unverändert ist, gibt es eine Zunahme fundamentalistischer christlicher Religionsgemeinschaften, deren Mechanismen durchaus mit jenen vergleichbar sind, die den „Sekten“ vorgeworfen werden. Jugendliche klagen häufiger über Konflikte mit neu bekehrten Eltern, oft nach einer Scheidung. In diesem Zusammenhang werden auch Gruppierungen wie Scientology genannt. Im Eso-Bericht heißt es: „Mit dem umstrittenen, von Experten heftig kritisierten, Drogenrehabilitationsprogramm Narconon‘ will Scientology in der Drogendiskussion mitmischen. Unlängst wurde die Scientology-Unterorganisation Narconon, die dem Kampf gegen Drogen dienen soll, in Österreich neu gegründet. In Wien wurde das Scientology-Angebot öffentlich vorgestellt. Es wird vermutet, dass sich Scientology mit dem Narconon-Angebot nun auch österreichweit an Schulen, Jugendzentren und Jugendverantwortliche wenden wird."

Demokratien sind gefordert
Schweidlenka sieht einen Lösungsansatz in einer „liberalen, weltoffenen, mit Demokratie vereinbarten Religiosität. Soll der Trend zu sektoiden, fundamentalistischen, intoleranten Esoterik- und Religionsformen eine vitale Gegenkraft erhalten, müssen tolerante, die Vernunft integrierende religiöse Traditionen gefördert und jugendgerecht vermittelt werden.“

– Gerlinde Knaus –

Bestellungen der Broschüre „Die schwarze Szene“: ESOline 0676-300 14 14 | www.logo.at

 

 

  Welchen Platz hat der Mensch in derArbeitswelt der Zukunft?


Zum dritten Mal fanden heuer vom 22. bis 24. Oktober die Mariazeller Gespräche zur Ethik in der Wissenschaft statt. Referenten aus Wirtschaft und Wissenschaft debattierten das Thema „Wenig Arbeit, viel zu tun – Arbeit als Element einer humanen Gesellschaft“. Die Initiative für die Veranstaltung kam von LHStv. Leopold Schöggl, für die Konzeption zeichneten Bernhard Pelzl (Joanneum Research) und der Theologe Leopold Neuhold verantwortlich.

Im Zentrum stand dabei die Suche nach Modellen, in denen die Arbeit, und zwar nicht nur die Erwerbsarbeit im traditionellen Sinn, gerecht auf alle Gesellschaftsmitglieder, Männer wie Frauen, aufgeteilt werden könnte.

Lohnarbeit bietet keine soziale Sicherheit mehr
Univ. Prof. Dr. Franz Marhold beschrieb die grundlegenden Änderungen der Arbeitsorganisation: Da so genannte selbstbestimmte Arbeitsformen immer stärker zunehmen, greifen traditionelle soziale Sicherungssysteme zu kurz, die nur an der Lohnarbeit anknüpfen. Dr. Friesl von der Industriellenvereinigung stellt die Konzepte der IV zum Thema CSR vor. Unternehmen sind bereit, soziale Verantwortung zu übernehmen und sind damit erfolgreicher. Studien hätten ergeben, dass Unternehmen, die sich ethischem Handeln verschreiben, nicht nur auf eine höhere Motivation ihrer MitarbeiterInnen zählen können, sondern sogar an der Börse erfolgreicher seien.

Dr. Thomas Krautzer von der Industriellenvereinigung Steiermark gab zu bedenken, dass die Industrie den größten Anteil zur regionalen Wertschöpfung und Arbeitsplatzsicherung beiträgt. Um international wettbewerbsfähig zu bleiben, steigen die Anforderungen an die Beschäftigten enorm, für weniger Qualifizierte wird es immer schwieriger, Arbeitsmöglichkeiten zu finden.

Der Grazer Ethikprofessor Dr. Leopold Neuhold trat für ein vom Staat garantiertes Grundeinkommen ein, das mit sinnvollen Beschäftigungsmöglichkeiten Hand in Hand gehen sollte, wozu natürlich der Arbeitsbegriff in Richtung Familienarbeit und ehrenamtliche Tätigkeiten zu erweitern wäre. Aus den Erfahrungen in seinem 2003 als frauen- und familienfreundlichster Großbetrieb Österreichs ausgezeichneten High-Tech-Unternehmen, der Anton Paar GmbH, berichtete DI Ulrich Santner, der durch die Teilnahme am Alpha-Nova-Projekt „integrierte Arbeitsgruppen IAG“ supported employment auch für behinderte Menschen anbietet.

Mehr Arbeit, weniger Geld – vor allem für Frauen
Der Genderperspektive nahm sich Mag. Helene Schiffbänker vom Institut für Technologie- und Regionalpolitik der JOANNEUM RESEARCH an. In Österreich ist eine stetige Zunahme der Frauenerwerbsquote zu verzeichnen, diese Zuwächse gehen in den letzten Jahren vor allem auf den Anstieg von Teilzeitjobs zurück. Angesichts des nach wie vor geringen Anteils von Frauen in Führungspositionen und der Einkommensschere zwischen Frauen und Männern gebe es allerdings noch viel zu tun.

Auf die Ergebnisse der empirischen Studie „gute Arbeit“ von ÖBG Steiermark und der katholischen Arbeitnehmerbewegung ging Mag. Ines Slama ein. „Gute Arbeitsplätze“ garantieren u.a. gerechtes Einkommen und Verantwortung für die Umwelt. Von einer sozialen Ausrichtung der Arbeitsplätze profitierten aber auch Unternehmer durch motivierte MitarbeiterInnen.

Die Krise der Arbeitsgesellschaft durchleuchtete Mag. Gerhard Winkler vom ÖGB Steiermark. Die Politik habe sich durch ihren Unwillen, die Verteilungsfrage offensiv anzupacken, von der Vollbeschäftigung als Ziel verabschiedet. Die ArbeitnehmerInnen wüssten, dass sie sich an die sich ändernden Bedingungen des Arbeitsmarktes durch Flexibilität, Mobilität etc. anzupassen hätten, trotzdem dürfe der Einzelne nicht nur auf seinen Marktwert reduziert werden.

Unternehmen mit sozialer Verantwortung
Dr. Karin Grasenick (Convelop Unternehmensberatung) behandelte unter anderem die Bedeutungs-Entleerung von Begriffen wie Solidarität und Verantwortung, der daraus resultiere, dass Solidarität und Verantwortung leichter in kleineren Gemeinschaften verwirklichbar sind als in einer globalisierten und abstrakten Gesellschaft. Eine immer größere werdende Zahl von Chancenarmen passen derzeit nicht ins Schema des selbstbewussten, mündigen, flexiblen Erfolgsmenschen. Die Gesellschaft beginne, benachteiligte Personen aus ihrem Blickfeld zu entfernen.

Dr. Karin Grasenick, Convelop Unternehmensberatung > „Für eine zunehmende Zahl von Unternehmen ist die Übernahme sozialer Verantwortung mehr als ein bloßer PR-Gag.“

Im Gespräch mit KORSO am Rande der Tagung ging Grasenick auf die Frage der Übernahme von sozialer Verantwortung durch Unternehmen ein: „Eine nicht mehr ganz unerhebliche Anzahl von Unternehmen sieht die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung nicht nur als PR-Gag.“ So werden in ganz Europa, beispielsweise auch in Frankreich von der Nicht-Regierungsorganisation ADIE (Association pour le Droit à l’Initiative Economique) so genannte Mikro-Kredite an ImmigrantInnen vergeben, die damit eine Chance zur Selbstständigkeit bekommen. Bei derartigen Modellen übernehmen Unternehmen Bürgschaften und stehen für Mentoringprogramme zur Verfügung.

– gm –

Eingehendere Berichte unter: www.mariazeller-akademie.at
Zur sozialen Verantwortung von Unternehmen: www.csr-austria.at

 

 

  Job-Allianz: Die besten Kräfte der Integration


Vor fünf Jahren wurde die JobAllianz als Pilotprojekt zur Verbesserung der Arbeitsmarktchancen für Menschen mit Behinderung gestartet. Innerhalb kurzer Zeit entwickelte sich die Initiative aufgrund ihrer innovativen Vorgangsweise – intensive Einbindung der ArbeitgeberInnen, Vernetzung aller Beteiligten (Gebietskörperschaften, Sozialpartner, Fördergeber, Trägerorganisationen) zu einem Leitprojekt des Bundessozialamtes. Unternehmen, die sich besonders um die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung verdient machen, werden alljährlich nach Regionen und abschließend steiermarkweit mit dem Job-Oskar ausgezeichnet.

Buchpräsentation von „Ausgezeichnet – 5 Jahre JobOskar“ in Anwesenheit von BM Herbert Haupt, Bundessozialamt-Leiterin Margareta Steiner, LR Gerald Schöpfer, AMS-Chef Heinz Snobe

Anlässlich des fünfjährigen Bestehens der Allianz wurde nun im Rahmen einer Gala der Band „Ausgezeichnet – 5 Jahre JobOskar“ präsentiert, der die Gewinner 1999-2003 vorstellt. „Gewinner“ bezieht sich in diesem Zusammenhang sowohl auf die ArbeitgeberInnen, welchen aufgrund ihres Engagements der JobOskar zugesprochen wurde – als auch auf die ArbeitnehmerInnen, die aufgrund dieses Engagements einen Arbeitsplatz gefunden haben. HR Drin Margareta Steiner, Leiterin der Landesstelle Steiermark des Bundessozialamtes: „Dieses Buch vermittelt aus einer oftmals sehr persönlichen Perspektive nicht nur die große Bandbreite an unterschiedlichen Motiven für ein Engagement von DienstgeberInnen, sondern auch eindrucksvoll und oftmals berührend, welch große Bedeutung eine Teilhabe am Erwerbsleben für Menschen mit Behinderung hat.“

Engagement und soziale Verantwortung
Wie weit der Einsatz mancher ArbeitgeberInnen geht, zeigt etwa das Beispiel von Ing. Renate Schwab, Chefin eines Weizer KFZ-Betriebs: Sie hat selbst einen Gebärdenkurs absolviert, um mit den beiden gehörlosen Mitarbeitern besser kommunizieren zu können. Der Chef des Mürzzuschlager Faserverbundewerkstoff-Erzeugers SECAR Technologies, Karl-Heinz-Semlitsch, betont: „Jeder in meiner Position sollte ein soziales Verständnis haben.“ Arbeitsleistung und Loyalität der behinderten MitarbeiterInnen werden durchwegs positiv bilanziert. Die Statements der Menschen mit Behinderung, die bei den im Buch präsentierten Unternehmen Beschäftigung gefunden haben, lassen sich wohl in der Aussage von Thomas Siegl zusammenfassen: „Ich komme mit allen sehr gut aus, bin voll integriert und habe keine Probleme.“

Interessierte können das Buch „Ausgezeichnet – 5 Jahre JobOskar in der Steiermark“ bei der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit des Bundessozialamtes, Landesstelle Steiermark (Frau Claudia Posch, Tel. (0316) 7090-223) anfordern.

 

 

  Ohne Barrieren zum Computerführerschein Gemeinsam mit einer Reihe renommierter internationaler Partner hat das bfi „barrierefreie“ Wege zum Europäischen Computerführerschein (ECDL) für Menschen mit Behinderung entwickelt.


„Gute Qualifikation ist die zentrale Erfordernis für die Integration in die Arbeitswelt – und Faktum ist, dass Menschen mit Behinderung im Durchschnitt noch immer schlechter qualifiziert sind als Nicht-Behinderte und deswegen öfter und länger arbeitslos sind“, betont Walerich Berger, Leiter des EDV-Schulungszentrums des bfi Steiermark.

Im Rahmen des dreijährigen Leonardo-Projektes „ECDL for People with Disabilities“ hat nun das bfi mit anderen europäischen Institutionen und Organisationen den Lehrplan und die Prüfungsmethoden auf Barrieren für Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen (Gehörlosigkeit, Sehbehinderung bzw. Blindheit und Mobilitätseinschränkungen) hin evaluiert und Vorschläge für Methoden, Techniken und Regelungen erarbeitet, mit deren Hilfe diese Barrieren überwunden werden können.

Walerich Berger, Leiter des EDV-Schulungszentrums des bfi

Berger betont: „An den Lehrzielen und dem Anforderungsniveau wurde kein Beistrich geändert, nur die Didaktik wurde den speziellen Bedürfnissen von Menschen mit Behinderung angepasst.“ – ein wichtiger Beitrag zur Herstellung von Chancengleichheit am Arbeitsmarkt.

Für Blinde bietet das EDV-Schulungszentrum des bfi bereits maßgeschneiderte ECDL-Vorbereitungskurse an, in Kooperation mit dem Landesverband der Gehörlosenvereine auch für Gehörlose.

Info: b f i | Serviceline 0800 230 230 oder T (0316) 7270

 

 

  Innovative Wohnmöglichkeiten für junge Menschen mit Behinderung


„Zum Shoppen im Supermarkt der Dienstleistungen“ lud Pilotprojekt-Koordinator Reinhold Pichelhofer das Publikum der Ergebnispräsentation der Region Graz und Graz-Umgebung des „Moduls Wohnen“ der Entwicklungspartnerschaft styria integra. Der Supermarkt und auch die Identitäten der EinkäuferInnen waren zwar fiktiv, aber das Ergebnis des Suchens, Wählens, Fragens und Findens entsprach in etwa der Situation auf dem Dienstleistungsmarkt für Menschen mit Behinderung bzw. Beeinträchtigung: Es gibt zwar eine Vielzahl an Wohn- und anderen Dienstleistungsangeboten für die Zielgruppe, aber, so ergaben eingehende Untersuchungen, wünschenswert wäre ein barrierefreier Zugang zu einem umfassenden Angebotsüberblick. Auch die Verbesserung der Vernetzung auf Behördenebene und – auf der Ebene der Dienstleistungsorganisationen untereinander würde die Situation für Betroffene und deren Angehörige erleichtern. In der Arbeit mit Betroffenen seien Beziehungen und Casemanagement am wichtigsten.

Bei der Ergebnispräsentation am 13. Oktober 2004 im Rittersaal des Landhauses in Graz wurden auch zwei laufende Pilotprojekte vorgestellt:In der Integrativen Wohngemeinschaft (IWG) wohnen zwei behinderte und zwei nicht behinderte junge Männer, betreut von der alpha-nova-Wohnassistenz, gemeinsam in einer Wohnung in Graz – im Vergleich zu vollzeitbetreuten Wohnformen eine kostengünstige Alternative für Menschen mit und ohne Behinderung.

Im Modell „Neuland – Mobile sozialpsychiatrische Begleitung“ wird erstmals dem Bedarf psychisch beeinträchtigter Jugendlicher an ambulanter Begleitung, Beratung und Betreuung nachgekommen.

Info: T 03112-49 11 52 | www.styria-integra.at