06 / 2001
 

Eigentlich wollten wir ja was ganz anderes schreiben, diesmal. Doch dann ging dieses Beben und Grunzen durch das Land, und wir bemerkten, dass es im Begriff war, uns anzugreifen und uns, vielleicht, zu fressen. „Herrje, wie ungeschickt,“ sagten wir zu uns selbst. Wir waren noch nie in einer so ungesunden Lage gewesen. Kein Wort, kein Kraftausdruck kann das Gefühl beschreiben, das uns umklammert hielt. Ein Schüttelfrost beklemmte unsere Glieder und der Schweiß floss reichlich an uns herunter. Gleichzeitig kam eine geisterhafte Bewegung über uns, eine unirdische Bewegung, die unsere Körper flink und angenehm beseelt über das Land trug und uns die Menschen und all ihr Zubehör ertragen ließ. So schwebten wir dorthin, wo die Widersprüche am klarsten offen liegen und trafen dort auf die Kollegen von Blumfeld. Das fanden wir nett und setzten uns ans offene Feuer.
Schön auch, dass die Jungs ihr neues Album dabei hatten:
Testament der Angst (eastwest records) heißt das gute Stück und ist tatsächlich wärmstens zu empfehlen (auch abseits der Feuerstellen dieser Welt). Und obwohl die gewohnt grandiosen Texte von Jochen Distelmeyer fast ausschließlich von Angst, Verzweiflung und Resignation handeln, hatten wir nie das Bedürfnis, uns kopfüber ins nächste Seehundsloch werfen zu müssen. Im Gegenteil: Eingängige, fast schon massenkompa-tible Melodien brechen die reale Trostlosigkeit und lassen darauf hoffen, dass auch der Kapitalismus scheitern wird.
 

Der Mikrokosmos von Autechre dagegen scheint von den Blum-feldschen Überlegungen nicht berührt zu werden. Auf der neuen CD Confield (erschienen auf Warp) führt das britische Duo seinem Publikum vor, wie weit man das Konzept einer exzessiven „Selbstbezogenheit“ nach dem Rückzug von Richard James (Aphex Twin) aus der Klangproduktion treiben kann. Sean Booth und Rob Brown betrachten ihr Tun auch lieber als die „Programmierung eines Ökosystems“ als das Komponieren von Musik. Die bei diesem Akt geschaffenen Biotope werden von ihren Schöpfern liebevoll gepflegt und mit diversen sperrigen Zutaten gedüngt. Der einzige Trost während Richard D. James’ kreativer Pause.
 


Die CDs wurden  zur Verfügung gestellt von 
DUX-RECORDS
Annenstraße 6
8010 Graz
Tel. 72 37 27


Die Autechre-CD gibt’s auch zweimal zu gewinnen – 
– natürlich in der KORSO-Gamebox 
 

 
JUNI-AUSGABE KULTUR