06 / 2000
 

Die schmalen Buschpfade wimmelten von Menschen-grüppchen, die alle dem Fest zustrebten. Die Frauen hatten die Blätterbüschel, die sie gewöhnlich trugen, gegen Tücher getauscht, was ein untrügliches Zeichen dafür war, dass es sich bei dem Fest um ein öffentliches Ereignis handelte. Klar. Schließlich war Lettland zum ersten Mal beim Song Contest mit dabei und wurde auf Anhieb zweiter. Unsere Schulkollegen von Brainstorm überzeugten mit klassisch-britischer Popmusik und begeisterten auch das völlig überalterte Saalpublikum. Kein Wunder also, dass ganz Riga auf den Beinen war, um dieses Ereignis gebührend zu zelebrieren. Einen kleinen Wermutstropfen gab es allerdings: Von Gesetz wegen war es verboten, nackte Frauenbrüste zu fotografieren.


Kein Land also für Leander Haußmann: Haußmann – Noch-Theater-Intendant in Bochum und mit seiner Peter-Pan-Inszenierung bei den Wiener Festwochen zu Gast – freute sich erst kürzlich über eine Passantin, die ihn während eines Interviews durch Verzicht auf ein ganz bestimmtes Kleidungsstück nachhaltig ablenkte und zu einem begeisterten „He, Wahnsinn!“ verführen konnte. Wir freuen uns mit ihm. Nicht so sehr aus optischen Gründen (wir waren ja nicht dabei) sondern vielmehr aus Dankbarkeit, stammt doch die Musik zu seiner Inszenierung des J. M. Barrie-Stücks „Peter Pan“ von den unvergleichlichen Element of Crime. Traurig, melancholisch und wunderschön – so gerät man erst recht in Gefahr, dem ewigen Kind ins Nirgendwo folgen zu wollen. Die vier Musikstücke sind – auf einer CD vereint – allerorts käuflich erwerbbar: Element of Crime: Irgendwo im Nirgendwo (2000 Motor Music).


Ebenfalls zu empfehlen: der aktuelle Tonträger der britischen Langzeit-Kommunarden von Chumbawamba. WYSIWYG (EMI Electrola) ist nicht neu, nicht originell, aber von gewohnt hoher Qualität.
Abschließend noch ein weiterer Grund für Freudenfeste: Björk Gudmundsdóttir wurde gleich für ihren ersten – und wie man hört auch letzten – Abstecher zum Film mit der Goldenen Palme für die beste Darstellerin in Lars von Triers Film „Dancer in the Dark“ ausgezeichnet. Näheres zum Soundtrack in einer der nächsten Ausgaben.

Die besprochenen CDs wurden von
DUX-RECORDS, Annenstraße 6, 8010 Graz, Tel. 72 37 27
zur Verfügung gestellt.

Je ein Exemplar der besprochenen CDs gibt’s auch zu gewinnen – natürlich in der
KORSO-Gamebox 

 


JUNI AUSGABE KULTUR